Home    Artikel und Buchauzüge      Übersetzungen aus A. Janovs Webseite     Neue Beiträge       Primärtheorie und Primärtherapie         Buchübersetzung: Bücher von A. Janov  

20 Kernthesen der Primärtheorie und Primärtherapie        ArthurJanov.com         Facebook          Studien und Statistiken            Primalpage                              Primaltherapy.com

Primal Mind                 Epilepticjourney

 

 

Dr. Arthur Janov:    Epigenetik und Primärtherapie: Die Heilung der Neurose (Teil 10/ 20)

Samstag, 14. November 2015, Epigenetics and Primal Therapy: The Cure for Neurosis (Part 10/20) www.arthurjanov.com                                                       

                                                                                                          

Wie Traumen verankert werden

 

Ein vor kurzem erschienener Bericht der Northwestern University stellt fest, dass einige traumatische Erinnerungen wie z.B. chronische Kindesmisshandlung so schmerzvoll sind, dass sie tief im Gehirn vergraben und schwer zugänglich werden. (Jovasevic et al., 2015). Diese Erinnerungen wurden in einer bestimmten Stimmung/in einem bestimmten Gefühl oder in einem bestimmten Erregungszustand geschaffen und "lassen sich am besten wieder aufspüren, wenn das Gehirn zurück in diesem Zustand ist." Diese neue Gehirnforschung unterstützt meine Auffassung von Resonanz, die postuliert, dass spezifische Gefühle auf allen drei Ebenen über verwandte Frequenzen miteinander verbunden sind. In der Primärtherapie wird der Patient, wenn er in seinen Sitzungen zeitlich zurückgeht, sich mit Feelings verbinden, die tiefer im Gehirn gespeichert werden und mit derselben Gefühlslage resonieren, weil die eine Erinnerungsebene mit tieferen Ebenen verknüpft ist. Die Stimmung oder das Gefühl gehört zu einer Hierarchie von Einprägungen/Gefühlen, wobei jede Ebene Platz macht für tiefere und entferntere Ebenen, die alle in Stimmungslage und emotionaler Bedeutung miteinander verwandt sind. Die Verbindungen sind nicht nur ähnlichen Gefühlen zuzuschreiben, sondern reflektieren historische Prozesse; jede Verknüpfung trägt uns weiter zurück in unsere Ontologie, bis wir über die Art Erinnerung, wie wir sie kennen, hinausgehen. Wir kehren zurück in archaische Zeiten, wo es keine Worte und nicht einmal Gefühle gibt, sondern nur Instinkte. Aus diesem Grund wissen wir, wenn ein Patient Worte benutzt, während er scheinbar solche archaischen Ereignisse wiedererlebt, dass es Abreaktion ist, eine falsche Erinnerung. Wenn ein Patient auf eine uralte Gehirnebene zurückversetzt ist, gibt es keine Worte beim Wiedererleben, weil auf dieser Ebene keine Worte existieren. Ich möchte ganz deutlich werden: Das Wiedererleben ist wortwörtlich zu nehmen, weil der Patient in die Geschichte versunken ist und eine Zeit lang nur auf dieser tieferen Ebene lebt.

 

In dem Northwestern Experiment infusionierten Wissenschaftler den Hippocampus von Mäusen mit Gaboxadol, einer Droge, die extrasynaptische GABA-Rezeptoren stimuliert. Die Forscher beschreiben den Zustand, als hätten sie die Versuchstiere "ein bisschen betrunken" gemacht. Dann setzte man die Mäuse in eine Box und verpasste ihnen einen kurzen milden Elektroschock. Wenn die Mäuse am nächsten Tag in dieselbe Box zurückgebracht wurden, zeigten sie keine Anzeichen von Furcht und bewegten sich frei, was die Forscher zu dem Schluss führte, dass die Mäuse sich an den Schock tags zuvor nicht erinnerten. Gab man den Mäusen jedoch dieselbe Droge, bevor sie in die Box zurückgingen, erstarrten sie, als ob sie ängstlich einen weiteren Schock erwarteten.

 

Die Forscher schlossen daraus, dass die Droge die Art änderte, wie die Erinnerung ursprünglich kodiert wurde, sodass die Mäuse das stressende Schockerlebnis nur erinnerten, wenn sie in denselben Gehirnzustand zurückversetzt wurden, den die Droge erzeugt hatte. Mit anderen Worten glaubten sie, dass das Gehirn unter Drogen "völlig andere molekulare Pfade und Nervenschaltkreise benutzte, um die Erinnerung zu speichern." Und dann treffen die Autoren diese Primär-Aussage: "Der beste Weg, um auf diese Erinnerungen zuzugreifen, besteht darin, das Gehirn in denselben Zustand zurückzuversetzen." Scheint wie ein Zitat aus meinem Werk, ist aber nichts weiter als ein und dieselbe Realitätsfindung mit unterschiedlichen Methoden. Die Frage ist, wie wir es schaffen, den Patienten in diesen Zustand zurückzuversetzen.

 

Ich wiederhole, dass die Mittel, um zu diesen alten Erinnerungen zu gelangen, der Evolution folgen müssen; das ist Devolution oder umgekehrte Evolution. Wir müssen mit dem letzten oder spätesten Glied der Erinnerung beginnen und dann die Resonanz nutzen, um zeitlich dorthin zurückzureisen, wo die Schlüssel-Einprägungen liegen. Wir beschließen das nicht; der Patient macht diese Reise; oft ist er erregt durch ein Gegenwartsereignis und darin eingeschlossen gleitet er mühelos in die Geschichte zurück, indem er den Gefühlsverknüpfungen folgt. Seine Devolution beruht nicht auf Zufall; sie wird unausweichlich von Resonanz geleitet.

 

Ist Primärtherapie also nichts weiter als eine Zeitmaschine, ein Instrument um unsere Geschichte wieder aufzusuchen, um die Uhr zurückzustellen auf vorher neutrale, nicht-neurotische Zustände? Vielleicht klingt es weit hergeholt, aber immer mehr Beweise lassen vermuten, dass es wahr ist. Wissenschaftler lernen jetzt, wie man die Uhrzeiger der Entwicklung auf die mikroskopische Ebene zurückdreht - sie nehmen zum Beispiel eine aktuelle Hautzelle und behandeln sie so, dass sie zu einem vorher neutralen, nicht festgelegten Zustand zurückkehrt, zu einem embryonalen Zustand. Sobald das geschehen ist, kann die Zelle neu programmiert werden und zu einer anderen Zellart werden. Während dieses kritischen Fensters müssen bestimmte Bedürfnisse erfüllt werden, und wenn das nicht geschieht, werden die Zellen nachteilig geprägt.

 

Eine andere Art, es auszudrücken: Wenn die Zelle erst eine Markierung bekommen hat, werden wir dadurch psychologisch und physiologisch ein Leben lang beeinflusst, bis das anstachelnde Ereignis wieder aufgesucht und wiedererlebt wird. Und es kann unbewusst wiedererlebt werden durch den Resonanz-Prozess. Das heißt, ein Trauma, das in utero stattfand, kann wieder erfahren werden, ohne dass man sich dessen speziell bewusst ist, und zwar aufgrund der Tatsache, dass es Teil der Schmerzkette ist, sobald wir in den Erinnerungs-Schaltkreis eingeschlossen sind. Wenn wir in der Primärtherapie diese weit verzweigten Ereignisse erkunden und anfangen sie wiederzuerleben, verknüpfen wir drei Bewusstseinsebenen - die Gegenwart, unsere Kindheits-Vergangenheit und unsere Säuglings-/Schwangerschafts-Phase -, indem wir durch drei Ebenen der Gehirnentwicklung hindurch nach unten steigen.

 

 

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner

Artikelauswahl 2015