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Dr. Arthur Janov:    Epigenetik und Primärtherapie: Die Heilung der Neurose (Teil 11/ 20)

Dienstag, 17. November 2015, Epigenetics and Primal Therapy: The Cure for Neurosis (Part 11/20) www.arthurjanov.com                                                       

                                                                                                          

Und wie ist das möglich? Glücklicherweise wird jede neue verletzende Erfahrung, die auf tieferen Ebenen unintegriert bleibt, später auf einer höheren Ebene des Nervensystems wieder repräsentiert, wo sie als Außenseiter oder Feind verschlüsselt wird. Einprägungen tieferer Ebene senden Hinweise nach oben ins Nervensystem. Diese Erinnerungen höherer Ebene werden mit ihrem weiter unten liegendem Ursprung verdrahtet. Sie bilden einen Nervenschaltkreis, eine Leitungsbahn. Und wenn Schaltkreise miteinander verdrahtet werden, neigen sie dazu, miteinander zu feuern; das ist der Grund für Resonanz. Wenn später ein Trauma existiert, kann es mit früheren Einprägungen resonieren und die ganze intakte Erinnerung auslösen. Hier kann es zu übermäßigen Reaktionen auf die banalsten Ereignisse kommen. Wir schrauben uns zurück zu den Ursprungsquellen, zur Basis des Fühlens. Auf diese Weise erleben wir  rein physiologische Stammhirn-Reaktionen wieder, ohne sie je zu erkennen. Auf diese Weise gelangen wir automatisch zu präverbalen Ereignissen. Wenn die Primär-Einprägung ihre Botschaft nach oben schickt, werden dem Impuls Gefühle hinzugefügt, und später dann werden Gedanken und Verstehen mit einbezogen. Zusammen bilden sie ein vollständiges Feeling. Alle diese Elemente sind schließlich für das Wiedererleben notwendig. Auf diese Weise kann ein Ereignis der Gegenwart, eine Zurückweisung, katastrophale Gefühle auslösen. Es ist ein organischer Prozess, der unter Bewahrung der ursprünglichen Gefühle mit präziser Ordnung ablaufen muss. Es kann sein, dass spezifische Gehirnfrequenzen diese Ereignisse miteinander verbinden. Bildlich gesprochen hat der Vorgang viel gemeinsam mit dem Stein, den man in den Teich wirft: ein Kräuseleffekt in der Art und Weise, wie sich Neuronen untereinander in gespiegelter Progression verbinden. Wenn es eine bestimmte Art von Auslösern gibt, zaubert das Gehirn seine damit verknüpfte Geschichte unversehrt hervor und entfacht "gleichgesinnte" Gefühle zusammen mit ihrer Physiologie.

 

Jüngste Forschung mit Primärpatienten und in neurowissenschaftlichen Labors zeigt, dass Schmerz-Unbewusstheit ein Überlebensmechanismus ist, ein Schutz gegen überwältigenden Input. Aber die eingeprägte Erinnerung bleibt und richtet weiterhin ihren Schaden an - ein Leben lang. Kurz gesagt ist sie nicht passiv. Sie hat eine Kraft, die unserer Anpassungsfähigkeit bedroht, wie ich gleich detailliert erklären werde. Je tiefer wir in das Gehirn hinabsteigen, umso stärker ist die Kraft der Erinnerung. Und deswegen muss sie umso unbewusster sein....zu unserem Schutz. Wenn das Trauma zu groß ist oder zu lange andauert, wird die Anpassungsfähigkeit schwächer und weniger fexibel. Das trifft besonders auf Langzeit-Vernachlässigung und -Misshandlung zu. Hier scheinen sich die Erinnerungen einzugraben und zu verfestigen und immun gegen Veränderung zu werden. Und wenn volles Bewusstsein sich verringert, fängt der Schaden an, sowohl psychisch als auch physisch. Wir sind dann teilweise unbewusst und nehmen den Schaden nicht wahr. Furcht-Erinnerungen werden über vielfältige Leitungsbahnen miteinander kombiniert unnd dann eingraviert.

 

Die neue Forschung zeigt, was ich schon die ganze Zeit sage: Dass man zu der Stimmung zurückkehren muss, die bestand, als das Trauma eingeprägt wurde. Aber wenn man das künstlich macht, kann es die Lage verschlimmern. Es ist weitaus besser, langsam und einem evolutionärem Zeitplan entsprechend dorthin zu gelangen. Bei ihren Mäuse-Experimenten machten die Northwestern-Forscher eine wichtige Entdeckung, die auf unsere menschlichen Patienten zutrifft: Es ist für Therapeuten schwierig,  den Zugang zu diesen Erinnerungen zu finden, weil die Patienten selbst die traumatischen Erlebnisse nicht erinnern können, die Ursache ihrer Symptome sind. Aus genau diesem Grund müssen wir langsam entlang der Schmerzkette  hinabsteigen und den Patienten bestimmen lassen, wie schnell er gehen kann. Das Team bemerkte, dass die Gehirnfunktionen in verschiedenen Zuständen einem Radio gleichen, das von AM nach FM umschaltet. "Es ist, als sei das Gehirn normalerweise auf FM-Stationen eingestellt, um auf Erinnerungen zuzugreifen, aber auf AM-Stationen eingestellt werden muss, um Zugang zu unbewussten Erinnerungen zu haben,"  stellte die leitende Forscherin Dr. Jelena Radulovic fest, Dunbar-Professorin für bipolare Erkrankungen an der Northwestern Feinberg School of Medicine. (17) Kurz gesagt müssen bestimmte Arten ernsthafter Erinnerungen richtig eingestellt werden, um schmerzvolle Botschaften zu empfangen. Ich würde es anders ausdrücken, aber wir stimmen darin überein, dass traumatische Erinnerungen im Gehirn gespeichert werden, wo sie fortbestehen und Schaden verursachen.

 

Das Forscherteam und ich stimmen darin überein, dass wir die genaue Frequenz des Feelings einstellen müssen. Mit anderen Worten müssen wir zeitlich zurückgehen zum eingeprägten Schmerz, wobei keine Nebenstrecken zulässig sind. Wir können nicht um das Gefühl herumgehen. Die Schutzmaßnahme ist hier, dass wir dem Patienten ermöglichen, auf präzise Weise dorthin zurückzugehen, sodass jegliche Abweichungen, die Nebenstrecken des Fühlens, vermieden werden. Und in unserer eigenen Forschung haben wir herausgefunden, dass es spezielle Frequenzen gibt, die mit den Gefühlen einhergehen. Sie waren nie schnell, was bdeuten würde, dass man über der Primal-Zone ist. Wir beobachteten, dass Gefühle einzudringen begannen, wenn wir die Frequenz (mit Licht) verlangsamten. Die Forscher behaupten genau wie ich, dass das Gehirn zur richtigen Frequenz zurückgehen und ein ganz bestimmtes Feeling anvisieren muss. Meine Beobachtung nach jetzt beinahe fünfzig Jahren ist, dass der natürlich-evolutionäre Weg der richtige Pfad ist, dem man folgen muss. Natur ist die sine qua non.

 

 

(17) Paul, M. (2015, August 18). News. Retrieved from http://www.northwestern.edu/newscenter/stories/2015/08/traumatic-memories-hide-retrieve-them.html

 

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner

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