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Dr. Arthur Janov:    Epigenetik und Primärtherapie: Die Heilung der Neurose (Teil 14/ 20)

Donnerstag, 03. Dezember 2015, Epigenetics and Primal Therapy: The Cure for Neurosis (Part 14/20) www.arthurjanov.com                                                       

        

Noch ein Blick auf das Wiedererleben

            

                                                                      

Wir müssen darauf achten, dass Wiedererleben in der Therapie für alle Arten der Neurose wichtig ist. Neurose bedeutet, dass es einen frühentraumatischen Input gibt, der Funktion und Verhalten ändert; nicht das eine oder das andere sondern beide. Das heißt, es gibt Schmerz und nicht erfüllte Bedürfnisse, die normales Funktionieren überwältigen und eine Abweichung verursachen. Wir sind nicht mehr normal; die Dinge laufen schief - neurologisch, biochemisch und verhaltensbezogen. Um das zu kurieren müssen wir das Gesamtsystem normalisieren, nicht nur Verhalten oder Biochemie. Andernfalls sind wir dazu verdammt, Verhalten und Physiologie als zwei getrennte Probleme zu behandeln, wenngleich sie untrennbar miteinander verbunden sind.

 

Das ist kurz und bündig die Geschichte der Neurose. Wir sind nicht mehr wir selbst; wir bewegen uns in neuen Funktionsbahnen. Um wieder zu uns selbst zurückzufinden, müssen wir die Funktion in jedem Aspekt wiederherstellen. Nicht nur das Verhalten. Und wenn wir abgelenkt und umgeleitet werden, gibt es Markierungen, die ihre Spuren hinterlassen; epigenetische Markierungen. Liebe minimiert die Markierungen auf den Genen. Nichtliebe vergrößert sie. Wenn wir zum Beispiel viel Liebe, Umarmungen und Körperkontakt bekommen, gibt es Änderungen im Gehirn, bei denen sich Methylierungsmuster verändern, sodass wir normal auf Stress reagieren. Wenn ein Trauma existiert, wird der Teil des Gehirns, der die Stressreaktion kontrolliert, mit Methylgruppen markiert und erzeugt Veränderungen darin, wie Gene ausgedrückt oder unterdrückt werden; ob sie stillgelegt oder eröffnet werden. Und das verändert uns auf tiefgreifende Weise. Unsere Persönlichkeit ändert sich; wir können offener sein oder verschlossener; depressiver oder ängstlicher - abhängig davon, welche Gene was machen.

 

Also haben wir jetzt diese Markierungen, die ein kommendes Leben vorhersagen und wie es gelebt wird. Wie ändern wir das alles? Wir müssen jene frühen wortlosen Erfahrungen wieder aufsuchen, zurückgehen und sie ungeschehen machen. Verändere die Geschichte und ihre chemischen Spuren. Wir müssen den Schaden ungeschehen machen, und das bedeutet in meinem Modell langsame Entmethylierung. Nur jeweils ein Erlebnis; oder ein Erlebnis mehrmals und oftmals. Wir müssen herausfinden, wie das System umgeleitet worden ist und es wortwörtlich in die Spur zurückbringen. Das geschah, weil der Schmerz sich selbst installierte und Veränderung erzwang. Und  diese kann gemessen werden; das Ausmaß der Methylierung lässt sich messen und ändern. Das ist ein bedeutungsvoller Prozess. Er informiert uns, wie Neurose sich ändert. In gewisser Hinsicht kann das Methylierungsniveau ein Kennzeichen sein, ob wir von Beginn an geliebt worden sind oder nicht geliebt worden sind. Wir könnten mehr sagen als die Behauptungen der Person, sie sei in der Kindheit geliebt worden, obgleich sie tatsächlich nicht geliebt worden war. Wieviel Verleugnung gibt es? Wir sehen, wie "unter-fundiert" das Konzept der kognitiven Therapie ist, wenn sie sich hauptsächlich mit Worten und Gedanken befasst; etwas, das zur Zeit der Schlüssel-Einprägungen/Prägungen nicht existierte.

 

Neurochemie ist vielleicht ein verlässlicherer Indikator, weil sie keinen Grund zu lügen hat oder eher keine Möglichkeit zu lügen. Sie kann ein Kennzeichen sein für posttraumatischen Stress oder dafür, wieviel Verdrängung bei ADS existiert oder wieviel Schmerz/Verdrängung es bei der Alzheimer Krankheit gibt. Wir haben in dieser Hinsicht bereits einige Informationen, weil Autopsien an Depressiven/Selbstmördern ergeben haben, dass sie im Hippocampus-Areal (Fühlen/Erinnerung) schwer methylisiert waren. In diesen Fällen wurde umso mehr Methylierung produziert je schwerer die Misshandlung war, welche die Personen als Kinder erlitten hatten. Wenn wir das zu unserer zukünftigen Forschung über Telomere und Kortisol hinzufügen, werden wir allmählich präzise Messwerte des Schmerzes in uns bekommen. Und wir werden wissen, wann eine Droge für uns zu gefährlich ist, vor allem die Drogen wie Marihuana, die dazu neigen uns zu öffnen, uns offen zu machen für unsere Gefühle und unseren Schmerz. Schließlich werden wir ein Kennzeichen haben für die Wirksamkeit bestimmter Psychotherapien. Macht die Therapie die Vergangenheit ungeschehen? Trägt sie dazu bei, Verdrängung und somit Depression zu reduzieren? Gibt es bei Angstzuständen großen Schmerz der ersten Ebene? Ich kann das bereits bejahen, nachdem ich viele unter Angst leidende Menschen behandelt habe.

 

Der beste Weg, um die Einprägung umzukehren, ist der langsame methodische Therapieprozess, bei dem man die geringsten Schmerzen zuerst integriert und schließlich zu den großen frühen Traumen hinabsteigt und dann die Resultate misst. Anders gesagt müssen wir der Natur und all ihren Prozessen vertrauen; chemische Aufhebung allein ohne Berücksichtigung des neurobiologischen Gesamtzustands ist viel zu allgemein und unspezifisch. Das ist wie eine Schrotflinte, wenn wir ein Gewehr mit Zielfernrohr brauchen. Mir scheint, dass der natürliche Weg weit weniger Möglichkeit für Kollateralschaden am System bietet. Wir brauchen die Natur als Bezugspunkt. Wenn wir die Natur hinter uns lassen, dann müssen wir uns auf Statistiken beziehen; nie so gut wie die Natur selbst.

 

 

 

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner

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