Home    Artikel und Buchauzüge      Übersetzungen aus A. Janovs Webseite     Neue Beiträge       Primärtheorie und Primärtherapie         Buchübersetzung: Bücher von A. Janov  

20 Kernthesen der Primärtheorie und Primärtherapie        ArthurJanov.com         Facebook          Studien und Statistiken            Primalpage                              Primaltherapy.com

Primal Mind                 Epilepticjourney

 

 

Dr. Arthur Janov:    Epigenetik und Primärtherapie: Die Heilung der Neurose (Teil 16/ 20)

Montag, 29. Februar 2016, Epigenetics and Primal Therapy: The Cure for Neurosis (Part 16/20) www.arthurjanov.com                                                       

        

Wie früh ist zu früh?

            

                                                                      

In Wissenschaftskreisen lautete die Frage immer: "Wie früh ist zu früh?" Und hier ist die Epigenetik für unsere Diskussion von Bedeutung. Eine von Matthew Amway geleitete Gruppe an der Washington State University fand heraus, dass bei Tieren Erlebnisse im Mutterleib, welche die genetische Entfaltung beeinflussen, Auswirkungen auf drei Generationen haben können. Sie fanden heraus, dass schadhaftes Sperma während der Schwangerschaft bei erwachsenen Ratten viele Krankheiten -einschließlich Krebs- verursachen konnte. Weibliche Tiere vermieden, sich mit anderen Ratten zu paaren, die während der Trächtigkeit ebenfalls dem schadhaften Sperma ausgesetzt waren. Und das ging so weiter, nicht nur im Leben der erwachsenen Tiere sondern auch im Leben ihres Nachwuchses. Es scheint, dass das System weiß, wie es sich unter Vorgabe gewisser biologischer Fehler zu verhalten hat, und es tut dies entsprechend dem, was für die Vererbung am besten ist, was die beste Erfolgschance fürs Leben bietet. Wenn wir also einige Wesenszüge bei Erwachsenen nicht mit Vererbung erklären können, müssen wir mehrere Generationen zurückgehen, um die Antwort zu finden, nach der wir suchen. Das gibt uns eine neue Perspektive auf sogenannte psychische Probleme bei Erwachsenen. Wenn wir mit zukünftigen Patienten ein Aufnahme-Interview machen, muss es so gründlich  sein, dass es auch das pränatale Leben des Patienten einschließt und ebenso das der Eltern und manchmal auch das der Großeltern.

 

Ohne klinische Analyse können wir nur raten, welche Traumen im Leben einer schwangeren Mutter vielleicht stattgefunden haben und welche Anpassungen ihre Auswirkungen fortführend auch auf die Kinder und Enkelkinder haben. Natürlich ist es nicht einfach so, dass eine Mutter ein Trauma erlitt, sondern so, dass das Trauma ihre Grundphysiologie änderte und lebenslange Veränderungen in ihr selbst und in ihrem Nachwuchs erzeugte. Ereignete sich die Schwangerschaft in Kriegszeiten? War die Großmutter des Kindes depressiv? War sie in ihrer Schwangerschaft schwere Raucherin oder Trinkerin? Alle diese Fragen sollten wir stellen. Und in Wahrheit müssen wir unterscheiden zwischen Vererbung und epigenetischer "Vererbung", wenn wir je Krankheit rückgängig machen wollen. Wenn zum Beispiel auf bestimmten Angst regulierenden Zellen eine Markierung angebracht wurde, sind wir vielleicht so lange gestresst, bis diese Markierung wieder aufgesucht und wiedererlebt wird. Wie ich angemerkt habe, kann der Methylierungsprozess auch chemisch, zum Beispiel durch Entmethylierungs-Agenten, umgekehrt werden. Das macht uns glauben, dass bestimmte durch Drogen veränderte Gehirnregionen dieselben Areale sind, die vielleicht durch das Wiedererleben von intrauterinen Ereignissen beeinflusst werden.

 

Äußerst wichtig ist, dass Stress in der Mutter das Verdrängungssystem des Fötus beeinträchtigt, so dass es später schwierig wird, aufwallende Gefühle abzuschwächen. Einprägungen auf der unteren Ebene aus der Zeit im Mutterleib brechen durch die Verdängungsbarriere, überlasten das System und resultieren, da ein zusammenhängender Kortex fehlt, in Konzentrations- und Lernschwierigkeiten. Der präfrontale Kortex wird überwältigt, weil er dazu gezwungen wird, schmerzvollen Gefühlen entgegenzuwirken und sie zu unterdrücken.

 

Warum sind diese frühen Prägungen/Einprägungen so entscheidend? Weil nahezu jede bedeutende Widrigkeit im Mutterleib lebensgefährlich sein kann: Sauerstoffmangel, unangemessene Ernährung, zu viel Agitation, Überflutung durch Drogen oder Alkohol, etc. . All das beeinträchtigt lebenswichtige Organe und verändert dementsprechend das System des Babys. Niemals weglassen werde ich das Rauchen, das für den Reifeprozess des Babys tödlich ist. Stellen Sie sich vor, im Mutterleib zu sein, während eine Mutter alle Arten von Toxinen zu sich nimmt, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Wer kann das überleben?

 

Persönlichkeitsentwicklung hat einen Anfang und wir dürfen sie nicht sofort der Genetik zuschreiben. Epigenetik ist möglicherweise wichtiger. Lebensumstände wickeln sich um die Gene und ändern, wer wir sind und was wir sein werden. Es sind diese Tage im Mutterleib, die den Schmelztiegel für den Persönlichkeitstyp formen; sie alle passen sich Lebensumständen an. Sie drehen sich um die Einprägung; und wenn wir Patienten tief nach unten bringen, finden wir den kleinen Klumpen, die Schlüssel-Prägungen, die alle diese Anpassungen erzwungen haben. Und wenn diese frühen Prägungen wiedererlebt werden und alle Vitalwerte gemeinsam absinken, wissen wir, dass wir auf Gold gestoßen sind. Wir haben das Nirwana gefunden, den Schmerzkern. Denken Sie daran, im reinen Nirwana-Zustand gibt es kein Leiden.

 

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner

Artikelauswahl 2015