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Dr. Arthur Janov:    Epigenetik und Primärtherapie: Die Heilung der Neurose (Teil 19/ 20)

Mittwoch, 09. März 2016, Epigenetics and Primal Therapy: The Cure for Neurosis (Part 19/20) www.arthurjanov.com                                                       

        

 

            

                                                                      

Schlussfolgerung 

 

Wie könnten wir ohne eine Theorie des Schmerzes je Krebs, Herzkrankheit, Migränen und hohem Blutdruck auf den Grund kommen? Wenn wir keine Theorie vom Hirnstamm-Trauma haben, werden wir es nie verstehen. Und wenn wir keine solche Theorie haben, dann sind wir nicht auf Gleichstand mit psychologischem Wissen/Gehirnwissen.

 

Ich glaube, dass wir in unserer Therapie einiges umkehren können, aber ich glaube auch, dass es für uns umso schwieriger wird, die Prägung/Einprägung umzukehren, je früher und stärker sie ist. Wenn Zellen einmal ihre Prägung annehmen, lassen sie sich oft nicht bereitwillig ändern; ihre Identität bleibt unerschütterlich. Der Grund ist, dass die Einprägung felsenfest ist und selbst in mikroskopisch kleine Zellen eingraviert wird, die ihre Identität nicht leicht ablegen. Die Evolution der Gene ist umgeleitet worden. Epigenetik regiert. Das ist entscheidend; Erfahrung kann es nicht ändern. Deshalb können wir Neurose nicht weglieben oder ermahnen sich zu ändern, noch bewirkt flehen und bitten etwas "Gesundes." Es gibt keinen Ausweg aus der biologischen Tatsache der kritischen Periode, der Zeit und des Raums, wo man Liebe bekommen muss, oder es wird für immer zu einer Einprägung. 

 

Ich habe über die Unumkehrbarkeit von frühem Trauma, Schwangerschaft und Geburt geschrieben. Das schlimmste Szenario ist eine traumatische Geburt, der später eine lieblose Kindheit folgt. Diese Anhäufung kann das Verderben eines Menschen sein. Sie löst unüberwindliche emotionale Probleme aus, die geschädigte Individuen erzeugen. Aber nachdem das gesagt ist, gibt es etwas Hoffnung. Ein bestimmtes Maß an Trauma, das in utero oder bei der Geburt geschah, kann durch mildernde Faktoren gebessert werden, nämlich durch viel frühe Liebe. Sie löscht diese traumatischen Einprägungen nie aus, aber sie hält sie in Schach. Ich glaube, dass eine teilweise gute Kindheit die Auswirkungen von frühem Schmerz der ersten Ebene blockieren kann. Ein Nierenschaden während der Schwangerschaft wird durch spätere Liebe nicht rückgängig gemacht, aber er blüht vielleicht nicht zu schweren Symptomen auf. Sehr frühe Traumen werden nie durch spätere Liebe geändert oder abgeschwächt, nie durch Umarmungen und Küsse gemildert, aber sie haben nicht die Reichweite, nicht den Zugang zu höheren Ebenen, den sie ohne all diese Kindheitsliebe hätten. Liebe während oder nahe der Prägungszeit des sensorischen Fensters (wenn Bedürfnisse dringlich sind) kann Schmerz lindern. Nach einer schrecklichen Geburt können zum Beispiel viele Umarmungen und Küsse den Schaden minimieren. Dieselben Umarmungen sechs Jahre später werden nicht diese Wirkung haben. Deshalb wird ein Vater, der das Haus über Jahre verlässt und zurückkommt, weil er Akzeptanz braucht, diese nicht bekommen. Der Schmerz ist im Kind installiert und arbeitet in ihm. Das Kind will lieben, aber der Schmerz blockiert es.

 

Wie wir gesehen haben, hinterlässt eine nervöse Mutter im Nachwuchs eine Prädisposition für Angst, genau wie eine deprimierte Mutter eine Basis für Depression in ihrem Baby hinterlässt. Ob sie offensichtlich wird, hängt von diesen späteren Ereignissen und Traumen ab. Ich persönlich glaube, dass viel Liebe und gesunde Lebensweise beim ganz kleinen Kind diese schädlichen Auswirkungen abschwächen kann. Tatsächlich kamen frühgeborene Babys, die viel gestreichelt und liebkost wurden, früher nach Hause als Babys, die nicht so viel Körperkontakt bekamen. Diese frühen Küsse zählen viel und helfen die Persönlichkeit zu formen, ein liebevoller und warmer Mensch versus einem distanzierten. Das trifft besonders auf die Babys zu, die aus Institutionen adoptiert wurden. Sie haben von früh an ein großes Bedürfnis nach Liebe und Bestätigung. Wenn sie sie nicht bekommen, kann es irreversibel sein; das heißt, es kann ein Punkt kommen, wo Liebe keinen großen Unterschied mehr machen kann. Der Schaden ist angerichtet und ziemlich gut fixiert. Das ist die Forschung, mit der wir in naher Zukunft beginnen werden. Gibt es einen Zeitpunkt, ab dem Liebe früheren Schaden nicht mehr umkehren kann?

 

 

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner

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