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Dr. Arthur Janov:    Epigenetik und Primärtherapie: Die Heilung der Neurose (Teil 9/ 20)

Mittwoch, 11. November 2015, Epigenetics and Primal Therapy: The Cure for Neurosis (Part 9/20) www.arthurjanov.com                                                       

                                                                                                          

Methylierung kann durch Wiedererleben rückgängig gemacht werden

 

Können wir Methylierung rückgängig oder ungeschehen machen? Kann die Einprägung des Traumas auf zellulärer Ebene entfernt werden? Die gute Nachricht scheint zu sein, dass Methylierung im Gegensatz zu reiner Genetik umkehrbar ist, zumindest durch chemische Mittel (Cheishvili, Boureau & Szyf, 2015). Somit kann durch Epigenetik verursachte Krankheit letztlich vielleicht normalisiert werden. Wir haben vor, die Prägung/Einprägung zu studieren und zu untersuchen, wie wir sie durch Primärtherapie reversieren können; das ist die ultimative Stress-Reduzierung. Wir wollen sehen, ob wir die Geschichte durch das Wiedererleben von Traumen umkehren können. Denn wenn wir das können, helfen wir vielleicht Patienten, später schwere Erkrankungen zu vermeiden. Wir werden den Methylierungsprozess messen, durch den Traumen ins Gehirn eingeprägt werden. Wir werden die Geschichte rückgängig machen. Stellen Sie sich vor: Wir verhindern, dass eine Prägung weiterhin Schaden verursacht. Ja, das ist chemisch machbar. Forschung über den Gebrauch von Methionin, um die Auswirkungen der Methylierung ungeschehen zu machen, tragen Früchte, und andere Medikamente einschließlich einiger Tranquilizer helfen dabei. Ich jedoch glaube, dass die schädlichen Auswirkungen der Epigenetik sicherer, wirkungsvoller und gründlicher durch Therapie rückgängig gemacht werden können. Das Wiedererleben früher Erlebnisse in einem Primal kann Methylierung vielleicht zum Teil ungeschehen machen und dazu beitragen, das Gesamtsystem zu normalisieren.

 

Die Frage lautet: "Wie machen wir das?" Wie gelangen wir zu diesen frühen dringlichen Bedürfnissen, die vor unseren ersten Schritten in eine neue Welt existierten? Sie sind vielleicht so weit entfernt, dass sie unglaublich scheinen, aber viele Tausende Patienten sind durch meine Therapie gegangen und berichteten, was sie durchgemacht haben, auch wenn ich nicht unbedingt bereit war, ihnen zu glauben. Endlich bestätigt neue Forschung das, was sie mir mitgeteilt hatten.

 

Die Forschung informiert uns, dass geschädigte Ratten, die von lieblosen Müttern aufgezogen worden waren, keine Anzeichen von Schaden zeigten, nachdem sie eine Trichostatin-Infusion erhalten hatten, als hätte das Trauma nie stattgefunden. Diese Substanz entfernt Methyl aus dem System.  Sie machte -kurz gesagt- die Geschichte ungeschehen. Das ist meiner Ansicht nach das, was vielleicht mit unseren Patienten geschieht. Durch Wiedererleben muss es zu einer Änderung der Methylierung kommen, sodass die Geschichte revidiert wird; wir haben vor, diese Hypothese zu überprüfen. Ich glaube, wir können Methylierung rückgängig machen; wenigstens können wir einen Teil des eingebetteten Traumas entfernen. Das ist meiner Meinung das, was durch das Wiedererleben von Schlüsseltraumen erreicht wird, und deshalb können wir zukünftige Krankheiten verhindern oder wenigstens ihre Schadwirkung modifizieren. Wir können das Trauma aus seinem Versteck herauslösen und seine Energie freisetzen, sodass es keinen Schaden mehr anrichtet. Denken Sie daran, in der Einprägung liegt die Erinnerung und auch der Schmerz. Wir können den Schmerz entfernen und die Erinnerung unangetastet lassen. Unsere Aufgabe besteht nicht darin, Roboter ohne Erinnerung zu produzieren. Aber wir wollen nicht, dass die Erinnerung von Qual und Leid überschwemmt wird.

 

Wie wir vorher gesehen haben, fanden Michael Meaney und sein Forscherteam heraus, dass unter Deprivation leidende Tiere, wenn sie später von einer liebevolleren Mutter aufgezogen wurden, partielle Erholung erfahren, weil Gehirnprozesse höherer Ebene einige Auswirkungen früher Prägungen außer Kraft setzen (Meaney et al., 1985). Der Neokortex kann eine Art Ausgleich für den Schmerz bereitstellen, kann die Einprägung maskieren, sie jedoch nicht auslöschen. Meaneys Ratten, die von Anfang an durch eine sich entfernende Mutter geschädigt waren und unter Deprivation litten, wurden später in eine angereicherte Umgebung gebracht, wo sie glücklicher schienen und miteinander spielten. Aber ihr Stresshormon-Spiegel war dennoch hoch; sie litten noch immer, wie es auch bei Menschen unter ähnlichen Bedingungen der Fall ist. Den Schmerz zu maskieren ist nicht dasselbe wie ihn aufzulösen,  und wir sterben vielleicht vorzeitig durch diese Maskierung. Man mag das einen Pakt mit dem Teufel nennen: Wenn wir den Schmerz maskieren, sterben wir vielleicht früh, aber wenn wir es nicht machen, leiden wir. Es gibt jedoch eine dritte Möglichkeit: Erlebe den Schmerz wieder, integriere ihn und sei fertig mit ihm. Es scheint vor dem Einsetzen der Methylierung ein Fenster günstiger Gelegenheit zu geben, eine Phase, während der die Prägung teilweise rückgängig gemacht werden kann (16). Aber es ist ein schmales, kurzlebiges Fenster. Danach bleibt die Prägung für sehr lange Zeit.

 

Unsere menschliche Prägung, so möchte ich sagen, findet sich in jeder Faser und Zelle unseres Seins und enthält eine präzise Erinnerung ihrer Vergangenheit. Die Prägung lässt sich nicht an einer speziellen Stelle im System lokalisieren, weil sie überall ist, vom hormonellen Gleichgewicht bis zu unserer Neurologie. Die Prägung sagt: "Das ist mit mir geschehen und das bin ich." Und weil die Prägung überall ist, kann es Änderungen im gesamten System geben, wenn wir sie wiedererleben. Deshalb müssen wir Erfahrungen wiedererleben: um die Sollwerte neu einzustellen und damit eine tiefgreifend neue Methode in der Medizin und Psychiatrie praktizieren. Wir müssen uns mit unserer gesamten Physiologie und unserem ganzen Sein "erinnern," nicht nur mit dem Neokortex. Vor allem brauchen wir Ärzte, die aufhören zu fragen: "Haben Sie vor kurzem ungewöhnlichen Stress gehabt?" Sie müssen die richtigen Fragen stellen, wenn sie die richtigen Antworten wollen. Da wir den Fötus nicht über seinen Stress befragen können, müssen wir das Nächstbeste tun und biologischen Schaden aufdecken, die Schmerzkette hinabsteigen, der Resonanz folgen, um die Fötalebene zu erreichen, und sehen, was wir vorfinden. Oft finden wir Anoxie in fast tödlichem Stadium. Resonanz führt unausweichlich zum Lebensanfang. Jede neue Schlüssel-Erinnerung findet ihren Partner auf tieferen Ebenen; alles, was wir machen müssen, ist, mit langsamen methodischen Schritten Zugang zu schaffen zur ersten  Ebene ganz oben, bis wir schließlich an der ersten Station ankommen.

 

Nehmen wir unsere Scheuklappen ab und schauen wir uns das ganze Gehirn an. Und vor allem den ganzen Mensch. Ja, es gibt eine chemische Therapie, die Erinnerung und Prägung beeinflussen kann, aber es ist zu bezweifeln, dass die gesamte Ausstaffierung dieser Erinnerung ebenfalls revidiert wird.

 

(16) In unserer bevorstehenden Forschung über Demethylierung in Zusammenarbeit mit Dr. Justin Feinstein vom Laureate Institute for Brain Research hoffen wir mehr Antworten zu finden. Unsere Hypothese ist, dass wir Demethylierung messen können, wenn wir eine bestimmte Probe (Lymphoblasten) aus dem Knochenmark nehmen und sehen, wie sie zu weißen Blutzellen werden. Vorläufig ist das nur eine Theorie, aber  in naher Zukunft gibt es vielleicht eine Möglichkeit zu sehen, welche Wirkung unsere Therapie oder andere Chemikalien auf Methylierung haben können.

 

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner

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