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Über das Leben vor der Geburt, den Urschrei-Doc und was die Erlebnisse im Mutterleib für uns Erwachsene bedeuten

 

Kennen Sie Leute, die Angst haben oder unter Depression leiden, Planänderungen in letzter Minute widerstreben oder anscheinend keine gute Bindung zu anderen Menschen haben? Es könnte sein, dass ihre Zeit im Mutterleib eine biologische Blaupause geschaffen haben, die dazu geführt hat, dass sie so sind.

 

Zumindest ist dies, wie ich es sehe, das Argument, das Dr. Arthur Janov in seinem neuen Buch Life Before Birth umreißt. Janov ist der bekannte Psychologe und Autor von 11 Büchern einschließlich des Bestsellers Primal Scream.  Jau, das ist der Bursche, der uns sagt, wie wichtig es ist, einen sagenhaften magenverdrehenden Schrei herauszulassen, um bestimmte Gesundheitsprobleme zu klären. Natürlich hat er sich eine gewisse Reputation erworben, aber als das Buch für meine Beprechung eintraf, habe ich mein eigenes Urteil über den Urschrei fallen lassen und öffnete es mit bewusst klarem Verstand. Denn Studie um Studie beweist, dass wir durch unsere Zeit im Mutterleib und durch den Geburtsprozess tiefgreifend beeinflusst werden – und Dr. Janov behauptet, dass nur das Wiedererleben oder Wiederfühlen traumatischer Erlebnisse aus dieser Zeit uns von ihren negativen Auswirkungen befreien kann.

 

Und ich steh’ irgendwie total auf Freiheit. Liberty. Libre.

 

Hier also folgt, was faszinierend war an diesem Buch und an Janovs Werk:

 

-          Typische gesprächsorientierte Therapie versucht, Probleme über das sprach- und logikorientierte Gehirnareal – den Neokortex – anzugehen und zu beeinflussen. Aber wenn Leute unter Herausforderungen leiden, die als Ergebnis dessen entstanden, was sie im Mutterleib erlebten, dann hilft Reden nicht. Janov argumentiert, dass traumatische intrauterine Erinnerungen – Erinnerungen, die im Uterus entstehen und physiologischen oder emotionalen Schmerz verursachen – im Hirnstamm und im limbischen System eingeprägt werden. Der Hinstamm und das limbische System werden nicht durch Sprache und Logik gesteuert. Sie werden durch Reflexe und Gefühle gesteuert. Bonus: Schnellere Ergebnisse resultieren aus einer holistischen, körper- und gefühlsorientierten Methode.

 

-          Und überprüfen Sie das: Es gibt „neue Beweise von Forschern an der Universität von Pennsylvania und Princeton, dass ‚Ihr Gehirn, wenn Sie nach Erinnerungen suchen, sich zunehmend dem Zustand annähert, in dem es war, als Sie das Ereignis ursprünglich erlebten.’ Mit anderen Worten – je voller ein Ereignis erinnert wird, umso tiefer und dauerhafter wird der auf das Gehirn hinterlassene Eindruck sein.“ Also gräbt Aufwärmen eine Erinnerung noch tiefer ein. Bonus: Wir können das zu unserem Vorteil nutzen – eine besonders beruhigende und besänftigende Erinnerung immer wieder erinnern, um die Schaffung eines beruhigten und besänftigten Systems zu unterstützen.

 

-          Überlegen Sie nur, dass unsere Gehirnzellen Erinnerung aufzeichnen und bestimmen, wer wir sind? Janov argumentiert: „Unsere menschliche Prägung findet sich in jeder Faser und Zelle unseres Seins und enthält eine präzise Erinnerung ihrer Vergangenheit. Man kann sie auf keinen bestimmten Ort im System festlegen, weil sie überall ist von unserem Hormon-Gleichgewicht bis zu unserer Neurologie. Und weil die Einprägung überall ist, kann es im Gesamtsystem Veränderungen geben, wenn wir diese Einprägung wiedererleben. Aus diesem Grund müssen wir Vergangenheits-Erlebnisse wiedererleben: um die Soll-Werte neu einzustellen und um dadurch eine tiefgreifend neuen Ansatz in der Medizin und Psychiatrie zu praktizieren.“ Bonus: Einfache Geist-Körper-Praktiken wie Yoga können eine kraftvolle befreiende Wirkung haben. Wenn wir eine besondere emotionale Reaktion spüren, während wir eine bestimmte Position einnehmen, können wir aufmerksam dabei bleiben, bis sie durch uns hindurchfließt. Ich habe persönlich die befreiende Wirkung erfahren, als ich meine Aufmerksamkeit auf eine Körperregion konzentrierte, die eingeengt oder verspannt schien – durch Dehnung oder Massage – und dann alle hochkommenden Emotionen ausdrückte.

 

-          Was können unsere Mamas tun? „Aus einer neurologischen Perspektive stärkt die Liebe und Ruhe einer Mutter in der Schwangerschaft nicht nur das Babygehirn sondern produziert auch bessere Schmerztöter-Rezeptoren – als Opiate bekannt – die dem Baby ermöglichen, leichter mit Schmerz fertig zu werden.“ „ Wenn eine Schwangere einen Cocktail trinkt, ist das Baby der toxischen Wirkung des Alkohols ausgesetzt; wenn sie raucht oder Rauch aus zweiter Hand inhaliert, wird das Atmungssystem des Babys beeinflusst; wenn sie für längere Zeit deprimiert ist, kann ihr Baby auf den „Down-Modus“ geprägt werden, indem es niedrigere Werte der Vitalfunktionen aufweist. Wenn sie ängstlich ist – mit hohem Blutdruck und einer ständigen Herzfrequenz über 90 Schläge pro Minute – kann das Baby auf den „Up-Modus“ festgelegt werden. Der springende Punkt: Eine Schwangere formt ihren Fetus.“ Bonus: Wenn wir das wissen, können wir dazu beitragen, dass Babys ruhig, gesund, glücklich und stark auf die Welt kommen.

 

-          Je von Telomeren gehört? Telomere sind eine Region sich wiederholender DNA, welche die Chromosomen deckeln und die Zell-DNA stabil halten. Wenn Telomere länger sind, leben wir länger. Telomere sind mit dem Stresshormon Kortisol korreliert und neigen dazu, kürzer zu werden, wenn Kortisol zunimmt. Es wurde nachgewiesen, dass Primärtherapie Kortisol reduziert, dadurch vielleicht die Telomer-Schrumpfung verlangsamt und das Leben verlängert. Bonus: Andere Stress reduzierende Aktivitäten – Gewahrsamkeit, Yoga, Körperübungen oder einfach mit Leuten herumzuhängen, bei denen wir uns entspannt fühlen – könnten potentiell denselben Langlebigkeits-Effekt haben.

 

Und das war herausfordernd an Life Before Birth: Jargon-schwer und Psychologie-orientiert ist das eine etwas mühselige Lektüre. Aber wenn Sie die wissenschaftlichen Güter bekommen wollen, wie man gesündere Babys erzeugt oder warum es wichtig ist, sich selbst von verdrängten nonverbalen Erinnerungen freizumachen, ist es die Mühe wert.

 

 

Original-Review hier: Libre Living