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LIFE BEFORE BIRTH  -  Eine Buchbesprechung

 

Als ich mit Eric schwanger war, wurde ich gebeten, das neueste Buch von Arthur Janov, PhD, zu besprechen: Life Before Birth – The Hidden Script that Rules our Lives . Nachdem man mich auf die Buchwebseite verwiesen hatte, fand ich dort die folgende Beschreibung:

"In den 1970ern veränderte das Buch The Primal Scream dramatisch die Psychotherapie-Landschaft, indem es zu einem internationalen Bestseller wurde und mehr als einen Million Lesern die Primärtherapie vorstellte, die auf tiefere Gehirnregionen wirkende Therapiemethode, die Janov bei seiner Arbeit mit John Lennon anwandte.

Life Before Birth ist genau so wichtig. Dr. Janov erklärt, wie die Epigenetik die menschliche Psyche beeinflusst und später zu Krankheit führen kann. Er fordert eine Neuorientierung nicht nur in unserer Einstellung zur Schwangerschaft und in unserem Medikamentengebrauch bei einer Vielzahl von Symptomen sondern in den Psychotherapie-Methoden, die wir anwenden, um alles von Phobien und Zwängen bis zu chronischer Angst und Depression zu behandeln."

Da ich die Beschreibung allein aufregend genug fand, stimmte ich der Besprechung freudig zu. Aber nachdem ich das Buch selbst gelesen habe, habe ich gemischte Gefühle über Janovs Argumente.

Auf einer Makro-Ebene finde ich Janovs Gedanken ziemlich schlüssig. Denn ich stimme voll und ganz zu, dass unserem „Leben im Mutterleib“ größere Beachtung geschenkt werden muss: den intrauterinen Ereignissen und Umständen, die den Fetus nicht nur auf einer epigenetischen Ebene beeinflussen sondern auch die Person, wenn sie/er zu einem Baby, Kind und Erwachsenen aufwächst. Von Stress über Diät bis Rauchen und Hormonspiegel zeigt die Forschung, dass unser Leben vor der Geburt potentiell und tatsächlich unser Leben und Wohlbefinden außerhalb des Mutterleibs weiterhin beeinflusst.

Und deswegen stimme ich Janov zu, dass es mehr als weise ist, einen Therapietyp zu entwickeln, der die möglichen mitwirkenden Vorgeburts-Faktoren späterer Lebensprobleme wie Depression, Sucht und sogar hoher Blutdruck angeht.

Und darüber hinaus finde ich es faszinierend, dass Janov sein Verständnis der fetalen Hirnentwicklung nutzt, um diese Therapie zu schaffen. Denn aus Janovs Sicht prägt sich ein Trauma, das in der Schwangerschaft geschieht, - wie z.B. mütterlicher Stress, Drogengebrauch oder Alkoholkonsum – in einem Teil des Gehirns ein, der durch Gesprächstherapie schlecht zugänglich oder heilbar ist. Stattdessen argumentiert er, dass die „Primärtherapie“, die er in seiner Praxis benutzt, erforderlich ist, um diese Traumen anzugehen: eine Therapie, die sich im Lauf der Zeit mit unseren präverbalen Traumen befasst, indem sie die präverbalen Teile unseres Gehirns anvisiert.

Nichtsdestotrotz finde ich viele Annahmen und Hypothesen von Janov auf einer Mikroebene hochgradig beunruhigend.

Zum einen ist da im ganzen Buch ein wiederkehrender Ton dessen, was ich als „Muttertadel“ bezeichne.

Zum Beispiel behauptet er, dass, wenn eine Mutter ihr Kind nach der Geburt nicht stillt, „das Kind ungeachtet der Rationalisierung hierfür nicht geliebt wird.“ Obgleich ich zustimme, dass Stillen nach der Geburt gewaltige und gut dokumentierte Vorteile hat, ist eine Behauptung wie diese bestenfalls beleidigend und schlimmstenfalls schädigend. Darüber hinaus scheint er alles von unzureichender Dilatation während der Wehen bis zu klinischer Depression und Umweltgiften als mütterlichen Fehler zu formulieren.

Ganz klar – es gibt tatsächlich umfangreiche Beweise, dass Stress, Angst und Drogen- und Alkoholkonsum der Mutter schädliche Wirkungen auf den Fetus haben können – Wirkungen, die sich im gesamten Leben eines Menschen manifestieren können. Manchmal jedoch scheint es, als würde Dr. Janov behaupten, dass jedes Leiden, welches einer Person im Leben zustößt, einem Fehler zugeschrieben werden kann, den die Mutter während der Schwangerschaft oder bei der Geburt gemacht hat. Außerdem finde ich, dass Janov einige ziemlich außergewöhnliche Gedankensprünge vollzieht, die seine (zugegeben faszinierenden) Hypothesen als „bewiesene Fakten“ erscheinen lassen anstatt dessen, was sie in Wirklichkeit sind: Hypothesen. Und diese beiden Probleme beeinträchtigen die Erklärungskraft seiner Argumente.

Im Großen und Ganzen schließlich glaube ich wirklich, dass Janovs Gedanken auf der „Makro-Ebene“ sorgfältige Untersuchung und weitere Forschung rechtfertigen, obwohl ich das Buch  nicht allen, die ich kenne, als „Pflichtlektüre“ empfehlen würde (und obwohl ich sogar vorschlagen würde, dass viele Schwangere die Finger davon lassen).

Wenn wir wissen, dass das intrauterine Leben wichtig ist für die Lebensentwicklung und das Wohlbefinden eines Menschen, dann macht es wirklich Sinn, Therapien zu entwickeln, die sich mit dem befassen, was sich in unserem Leben vor der Geburt abspielt.

 

Original-Review hier: birthingbeautifulideas