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Primal Mind

 

 

Dr. Arthur Janov:    Leben vor der Geburt (überarbeitet)       

                                  Wie die Erfahrung im Mutterleib unser Leben für immer beeinflussen kann

         

 Samstag, 22. November 2008, Life before birth (revised), www.arthurjanov.com                                                         

 

Die Übersetzung und Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.                                                                                                 

 

Als ich zum ersten Mal darüber schrieb, wie das Geburtstrauma und pränatale Erfahrung das Verhalten des Erwachsenen beeinflussen, betrachtete man das als „New Age.“ Jetzt gibt es buchstäblich Hunderte von Studien, die diese Behauptung verifizieren. Mittlerweile scheint es kaum noch Zweifel zu geben, dass die Stimmung und Physiologie einer schwangeren Frau Langzeit-Wirkung auf den Nachwuchs haben kann. Das bedeutet auf uns.

Beginnen wir mit einem einfachen Forschungsergebnis; Dr. Daniel Schacter, Psychologe der Harvard Universität, hat von einer Untersuchung berichtet, in der Versuchspersonen sich Ausschnitte einer TV-Serie ansahen und deren Gehirnwellen dann gemessen wurden (siehe Science, Sept. 2008).

Sie fanden heraus, dass, wenn die Versuchsperson sich an das Ereignis erinnerte, die Signatur der einzelnen Gehirnzellen dieselbe war wie beim ersten Betrachten. Sie berichteten, dass es wie ein Wiedererlebnis schien; was natürlich die ganze Zeit mein Standpunkt war. Wie nennen Sie es, wenn eine Erinnerung die genaue Geschichte eines Menschen mit ihrer präzisen frühen Physiologie hochbringt? Das geschieht mit unseren Patienten jeden Tag. Wenn es gewisse Auslöser gibt, zaubert das Gehirn seine Geschichte hervor – unversehrt. Deshalb ist unser Verhalten so zwanghaft und unentwegt; unsere Geschichte motiviert uns die ganze Zeit. Wir sind weitgehend Opfer unseres tiefen unbewussten Gehirns.

Bei Schacters Forschung an epileptischen Chirurgie-Patienten führte man Elektroden tief ins Gehirn der Versuchsperson ein. Diese Elektroden konnten kleine Gehirnstürme an ihrem Ursprung lokalisieren. Und sie konnten minuziöse Messungen während des Erinnerns machen. Die Lektion? Wir können vergangene Ereignisse in ihrer Ganzheit wiedererleben, genau wie sie geschehen sind. Ganz neu an all dem ist, wie früh schon ein Erlebnis unser späteres Leben beeinflussen kann. Denken Sie an die Implikationen: dass alte Erinnerungen denselben Neuronen (Nervenzellen) innewohnen, die ursprünglich beteiligt waren. Deshalb kann der Neurotiker nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart  unterscheiden und sieht die Realität durch das Prisma der Vergangenheit.

Gehen wir zu der Auffassung zurück, die ich früher erörtert habe: Epigenetik. Ein einziger Genotyp, eine einzelne genetische Disposition kann viele Phänotypen enstehen lassen, abhängig davon, was mit diesen Genen während der Schwangerschaft geschieht. Was wir uns also vorstellen könnten, ist, dass Genetik Genetik plus dem ist, was mit uns im Mutterleib geschieht. Es geschieht so viel mit uns im Mutterleib; so Vieles ist hinsichtlich seiner Langzeitwirkung übersehen worden, dass viele Krankheiten ein Geheimnis bleiben, weil wir mit den falschen Werkzeugen zur falschen Zeit am falschen Ort suchen.

Was ich lerne, ist, dass Ereignisse im Mutterleib so viel über unser späteres Leben erklären. Wenn man einen hervorsprießenden Zweig verbiegt, bekommt man zwangsweise einen verkrümmten Baum. Die Frage war immer: „Wie früh ist früh?“

Das Interesse an Epigenetik wächst. Eine Gruppe an der Universität des Staates Washington (unter der Leitung von Matthew Amway) fand heraus, das bei Tieren Schwangerschafts-Erfahrungen, welche die genetische Entfaltung beeinflussen, Wirkung auf drei Generationen zeigen können. Sie fanden heraus, dass Stress-Aussetzung bei trächtigen Ratten in fehlerhaftem Sperma beim Nachwuchs resultierte. Einige Wirkungen, die sich ergaben, schlossen Krebs bei erwachsenen Tieren ein. Weibchen vermieden es, sich mit anderen Ratten zu paaren, die während der Schwangerschaft auch dem Stress ausgesetzt waren. Und das ging weiter, nicht nur fürs ganze Leben der Erwachsenen-Tiere sondern auch mit ihrem Nachwuchs. Es scheint dass das System selbst weiß, wie es sich verhalten muss, wenn gewisse biologische Mängel gegeben sind, und es ist immer im Sinne dessen, was für die Erbmasse am besten ist; was uns den besten Anstoß gibt, um im Leben Erfolg zu haben. Wenn wir also gewisse Merkmale bei Erwachsenen mit Vererbung nicht erklären können, müssen wir vielleicht mehrere Generationen zurückgehen, um sie zu erklären. Das gibt uns einen neuen Blickwinkel auf sogenannte psychologische Probleme bei Erwachsenen. Natürlich extrapolieren wir von Tierexperimenten, aber das kann durchaus ebenso für menschliches Verhalten Voraussagen ermöglichen.

Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nur raten, welche der Traumen, die der schwangeren Mutter zustoßen, ihre Auswirkungen bis zu den Enkeln fortsetzen. Es geht nicht einfach darum, dass die Mütter ein Trauma erlebten, sondern darum, dass dieses Trauma ihre Grundphysiologie ändert, und diese Veränderung kann lebenslange Auswirkungen haben. Und wenn also ein Enkelkind in seinen zwanziger Jahren Herzprobleme oder Krebs entwickelt, müssen wir vielleicht die mutmaßlichen Ursachen nochmals überdenken; schauen, welche Art von Schwangerschaft seine Großmutter durchlebte. War es in der Kriegszeit? Oder stritten die zukünftigen (Groß-)Eltern die ganze Zeit? War Großmutter deprimiert? War sie in ihrer Schwangerschaft eine starke Raucherin oder Trinkerin? Es gibt eine ganze Menge neuer Variablen, die man in Erwägung ziehen muss. Das sieht ganz nach der verworfenen Theorie von der Vererbung erworbener Charakterzüge aus, aber wenn wir genau hinsehen, gründet es nicht auf Vererbung sondern auf Epigenetik; was mit der Entfaltung dieser Gene geschah, als sich das Trauma einschaltete.

Es folgt hier der Bericht eines Patienten. Er ist nahe zu ein Duplikat dessen, wie zahlreiche Patienten über dieselbe Sache berichten: „In meiner letzten Sitzung fühlte ich mich völlig hilflos. Ich konnte mich nicht bewegen oder sprechen. Ich war schwach und hatte das Gefühl festzustecken. Ich konnte nicht atmen, weil etwas Schweres auf meine Brust drückte. Ich kann nichts tun und niemand kann mir helfen. Ich glaube nicht, dass die Vorstellung von Hoffnung damals überhaupt existierte. Es scheint, dass während jener Zeit niemand existierte. Es gab keine Worte, Szenen, keine Leute und keine Eltern. Ganz alleine. Extrem unangenehm.“

Ein anderes Beispiel, welches das Wiedererlebnis des Geburtstraumas beinhaltet:

„Mein Wissen über eine Beziehung zwischen meinem pränatalen Leben und meinem Leben allgemein beschränkt sich auf die Diät meiner Mutter damals, die nahezu gänzlich auf dem Verzehr von Erdnüssen beruhte, weil das ihre einzige Nahrungsquelle war. Ich bin immer ganz verrückt nach Erdnüssen.

Meine früheste Empfindung im Verlauf des Wiedererlebnisses meines Geburts-Primals war die „Es–ist-Zeit-aufzubrechen-„Empfindung, die sich auch in einer körperlichen Empfindung eines „Tritts“in meinen unteren Rücken äußert. Auf dieser Stufe gab es nur ein Gefühl, dass ich mich selbst vorwärts wölbte, ohne dass ein anderes Gefühl dazugehörte. In dem Prozess der Vorwärtsbewegung auf eine Öffnung zu fühlte ich, wie ich ein paar Mal rastete, bis mich  derselbe „Tritt“ in meinen unteren Rücken antrieb, mich weiterzubewegen.

Meine nächsten Empfindungen sind die, dass ich von allen Seiten gequetscht werde, wobei ich große Anstrengungen unternehme, mich vorwärts zu bewegen, ein Gefühl von Not gefolgt von kurzen Perioden der Hoffnungslosigkeit, die sich in einer „Jüngster-Tag“-Empfindung manifestieren. In diesem Stadium werde ich panisch, es gibt keinen Ausweg, alles ist gegen mich, und zu all dem kommt hinzu, dass man meiner Mutter Betäubungsmittel gab, die der Grund dafür sind, dass ich körperlich lethargisch bin (der Geruch und Geschmack kommt hoch in jedem ganz frühen Primal, das ich habe). Gleichzeitig verstärkte sich meine Panik. Ich war ganz nahe dran, wirklich völlig aufzugeben, aber ich unternahm eine letzte Anstrengung.

Ich war allein in meinem Erlebnis; niemand konnte mir helfen. Meine Prägung von der Geburt ist vor allem: Ich traue Frauen nicht. Ich muss alles selbst machen, ich bin einsam, unter extremen Umständen funktioniere ich sehr gut, aber es fühlt sich nicht gut an, am Leben zu sein. Hier sind sie wieder, die Gefühle von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Ein unbeschreibliches Gefühl von Düsternis und Verhängnis.“

Ein Beispiel: Jemand kommt auf die Welt und hat von Geburt an alle möglichen Allergien. Eine Geschichte von Notfallklinik-Besuchen wegen jeglicher Art von Infektionen, Asthma, Atmungsproblemen aufgrund von Allergien und allgemein aufgrund eines sehr mangelhaften Immunsystems. Hier müssen wir die Decke zurückziehen und unsere Aufmerksamkeit auf jene frühen Monate im Mutterleib richten. Wenn wir das tun, finden wir oft heraus, dass die Mutter ziemlich ängstlich und/oder deprimiert war. Oder oft fällt die Ehe auseinander. Oder in einem Fall war der Ehemann angewidert, als ihr Bauch dick wurde, und suchte sich eine Affäre. Die Mutter war geknickt, fiel in eine Depression, und wir hatten ein Baby, das die Auswirkungen von all dem zu spüren bekam und mit einem geschwächten Immunsystem geboren wurde, etwas, das ganz früh in der Schwangerschaft begann. Vergessen Sie nicht, dass das Immunsystem in gewisser Hinsicht unser erstes rudimentäres Nervensystem ist, das Gefahren und Bedrohungen aufspürt und die Abwehr gegen sie organisiert. Das schließt die Sekretion von einigen der schmerztötenden Neurotransmitter mit ein, die wir heute kennen. Was damit begann, uns zu verteidigen, endet damit, dass es uns verletzt. Wenn das Immunsystem beeinträchtigt wird, sind die Chancen gut, dass es auch mit den natürlichen Killerzellen geschieht.

Die Tatsache, dass wir dieses physiologische Grundsystem normalisieren, bedeutet, dass Patienten tatsächlich ganz frühe Ursachen wiedererleben. Ich glaube, dass keine Kognitions-/Einsichtstherapie jemals das natürliche Killerzellensystem ändern könnte. Huot und Kollegen haben gezeigt, dass die Depression einer Mutter, wenn sie schwanger ist, sich auf das Baby auswirkt. (R.L.Huot, et al., « Negative Affect in Offspring of Depressed Mothers is Predicted by Infant Levels at 6 Month, and Maternal Depression during Pregnancy but Not Post-Partum,” N.Y. Academy of Science 1032, 2004. 234-236).

Das ist nicht der Fall bei einer Mutter, die deprimiert ist, wenn sie gebiert. Sie konnten das spätere Verhalten voraussagen, und es war abhängig davon, ob die Schwangere deprimiert war. Die Forscher fanden, dass Stresshormon-Spiegel, die auf einen unbedeutenden Stressreiz reagierten (Arm-Einschränkung), negative Reaktionen bei Kleinkindern vorhersagten. Es gab einen besonders negativen Effekt, wenn die Frau in den ersten zwei Trimestern deprimiert war. Kurz gesagt ist die in utero eingetretene Wirkung von Dauer. Und sie ist vorhersagbar, wenn bestimmte Widrigkeiten gegeben sind, die sich auf den Fetus auswirken. Und es scheint, je früher das Trauma sich ereignet, umso zerstörerischer ist es. Hier sehen wir wieder, dass wichtige Ereignisse, die während der Schwangerschaft geschehen, bedeutender sind als die Erfahrung nach der Geburt. Seit Jahrzehnten sage ich: Je verheerender das Trauma, umso verheerender das Symptom. Um die möglichen Ursachen eines Symptoms zu verstehen, muss man sich anschauen, wie überwältigend es ist; wie vollständig es das Funktionieren blockiert. Das sagt uns oft, wie früh die Einprägung stattfand und wie schädlich sie ist. Seine Tiefe im Körpersystem ist ein anderer Indikator dafür, wie früh das Trauma sich ereignete (z.B. Kolitis).

Weil das Baby mit Stresshormonwerten geboren werden kann, die höher als normal sind, und weil das Immunsystem in einer Schaukelbewegung mit Kortisol funktioniert (großer Stress-geringe Immunfunktion), hat der Fetus vielleicht die Grundlage geschaffen für lebenslange Immunprobleme. Genau hier spielt die Genetik eine Rolle; großer Stress beim Fetus beeinflusst diejenigen Areale mit genetischer Verwundbarkeit. Was ist letztlich die Bedeutung hoher Stresshormonspiegel während des fetalen Lebens? Es bedeutet einen Input, der das System antreibt, chronisch wachsam zu sein. Und wenn das System diesen Input längere Zeit wegschließen kann, haben wir die nötigen Zutaten für eine dauerhafte Primär-Einprägung. Dieser Input ist mütterlich induziert. So haben wir ein Neugeborenes mit einem hohen Agitationsniveau, das bereits viele Wochen früher geschaffen wurde. Hier wartet ADDHD (Aufmerksamkeitsmangel-Störung) auf seinen Einsatz. Im Lauf der Zeit können die schädlichen Resultate von impulsiven Tendenzen bis zu Migräne und hohem Blutdruck (um den eingeprägten Input zu unterdrücken) reichen. Es ist dann kein Geheimnis, wenn sich das Kind nicht konzentrieren oder nicht stillsitzen kann. Es reicht nicht, wenn man weiß, dass der Stresshormonspiegel beim Baby hoch ist; was hat ihn zuerst verursacht?

Nach einem Jahr unserer Therapie ändern wir natürliche Killerzellen auf normale Werte. Die Schlüsselfunktion dieser Zellen ist, nach Krebs entwickelnden Zellen Ausschau zu halten und sich auf sie zu stürzen, um sie in Schranken zu halten. Somit kann der Stress einer Mutter in der Schwangerschaft lebensbedrohliche Wirkung für ihr Baby bedeuten, nicht zuletzt Krebs. Je früher das Trauma im Mutterleib stattfindet, umso verheerender sind die Wirkungen. Das ist unser bedeutendes Geheimleben.

Was kann man da machen? Zuallererst das Ganze behandeln und dann sicherstellen, dass es nicht zurückkommt? Wie machen wir Letzteres? Indem wir die frühesten Mutterleibs-Ereignisse wiedererleben. Wie machen wir das? Nun, glücklicherweise wird jedes neue schädliche oder widrige Erlebnis, das unintegriert bleibt, auf einer höheren Ebene des Nervensystems re-repräsentiert und als Außenseiter oder Feind vermerkt. In der Tat ist es eine Bedrohung für den Organismus. Ich glaube, dass es spezielle Frequenzen gibt, welche diese Ereignisse miteinander verbinden. Wenn wir diese verzweigten Ereignisse erforschen und anfangen sie wiederzuerleben, erleben wir auch frühere und tiefere Aspekte des Feelings und/oder Schmerzes. Und so erleben wir rein physiologische Hirnstamm-Reaktionen wieder, ohne sie je zu erkennen.

Wenn es gewisse Auslöser gibt, zaubert das Gehirn seine damit in Beziehung stehende Geschichte hervor, und zwar unangetastet. Deshalb ist unser Verhalten so zwanghaft und unabänderlich; unsere Geschichte lenkt uns die ganze Zeit. Wir sind weitgehend Opfer unseres tiefen unbewussten Gehirns. Wir können nur tiefer in die ferne Vergangenheit gelangen, indem wir immer mehr Zugang zu tieferen Ebenen der Gehirnaktivität erlangen. Zuerst brauchen wir wirklich guten Zugang zu unseren Gefühlen; dann zu ganz frühen Hirnstamm-Ereignissen. Das braucht Zeit, aber es ist machbar.

Und was ist mit Krebs? Die Zelldeformierung kann durchaus im Mutterleib beginnen mit der Angst der Mutter aufgrund ihrer eigenen Geschichte oder aufgrund ihrer Ehe–Bedingungen. In jedem Fall muss das das fetale System seine Ressourcen zusammenraffen, um übermäßigen Input wegzuschließen. Hier ist der Punkt, an dem viele Zellen ihre Identität entwickeln und erwerben, aber stattdessen gibt es massive Verdrängung und letztlich physiologische Abweichung, auch auf der Zellebene.

Eine Patientin hatte drei Geschwister, die alle „verpfuscht“ und depressiv waren. Es blieb ein Geheimnis, warum sie alle so gestört waren (ihre Eltern waren tatsächlich liebevoll), bis sie ganz frühe Primals hatte (ein  systematisches Wiedererleben eines frühen Traumas). Sie erfuhr, dass es in Südamerika einen Bürgerkrieg gab, der viele Jahre dauerte. Der Vater verließ die Familie, um in den Kampf zu ziehen, wobei er gelegentlich nach Hause kam, um Babys zu machen. Die Mutter war in einer verzweifelten Notlage, hatte kein Geld und niemanden, an den sie sich wenden konnte, und sie lebte in Angst vor den ständigen Überfällen in ihrem Dorf. Die Kinder litten bereits in der Fetalphase. Sie war eine liebevolle Mutter, die von den Kindern innig geliebt wurde, aber sie war in der Schwangerschaft vernachlässigt worden, was man nicht übersehen darf. Das hatte weitreichende Wirkungen. Deshalb ist es ein Indikator dessen, was im Fetalleben los war. Können wir uns einen Arzt vorstellen, der mit seinem Patienten einen Schlaganfall erkundet und dann dessen Leben als Fötus überprüft?

Niedriges Geburtsgewicht steht in Zusammenhang mit langsamem Fetalwachstum und Entwicklungsdefiziten verschiedener Körpersysteme. Wenn das Neugeborene irgendwie abnormal ist, auch hinsichtlich des Geburtsgewichts, können wir annehmen, dass vielleicht etwas Abnormales während der Schwangerschaft geschehen ist. Die Babys depressiver Mütter haben öfter niedriges Geburtsgewicht. Denken wir wenigstens darüber nach. Babys mit niedrigem Geburtsgewicht fehlt es an Muskeln, und das folgt ihnen ins Erwachsenenalter. Hier folgt ein Zitat aus der der Helsinki-Geburtsgruppen-Studie: „ (Wir) haben gezeigt, dass das Risiko für koronare Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes oder verminderter Glukose-Toleranz bei solchen 60- bis 70-Jährigen weiter zunimmt, die bei der Geburt klein waren, dünn oder zu kurz als Säuglinge, die aber zwischen dem zweiten und elften Lebensjahr schnell an Gewicht zulegten. Es wurde nachgewiesen, dass eine ähnliche Wachstumskurve für Typ-2-Diabetes oder verminderte Glukose-Toleranz prädisponiert.“

Leute, die einen Schlaganfall erleiden, sind tendenziell zu dünn oder zu kurz mit 2 Jahren. Es gibt Beweise, dass diese frühen Ereignisse später zu Bluthochdruck führen können, der ein wichtiger Risikofaktor für Herzkrankheit als auch für Schlaganfall ist. Der springende Punkt ist der, dass, wenn ein Kind außerhalb der Normalitätskurve geboren wird (zu dick oder zu dünn), dies ein Anzeiger einer gewissen Anomalie während der Schwangerschaft sein kann. Ich werde gleich die jetzt signifikanten Forschungsergebnisse über hohe Stresspegel bei Schwangeren und ihre Wirkung auf das Herz des Babys erörtern, dessen Physiologie eng mit der Mutter verbunden ist.

Wir müssen erforschen, inwiefern die Alzheimer-Krankheit mit Schwangerschaftstrauma und auch mit Geburtsproblemen in Zusammenhang steht.

Bestimmte Größen- und Gewichtsprobleme mit 2 Jahren sind ein anerkannter Indikator für emotionale Kindheitsprobleme. Warum ist das so? Es gibt eine Reihe von Antworten. Das Wachstum des Fetus hängt schwer von angemessener Sauerstoff-Zufuhr ab. Aufgrund des großen Gehirns, das eine gehörige Menge Sauerstoff verbraucht, besteht eine physiologische Forderung nach immer mehr. Wenn diese Zufuhr aus irgendwelchen Gründen eingeschränkt wird, verlangsamt sich das Körperwachstum, so dass das Gehirn unversehrt bleibt. Daher ergibt sich das niedrigere Fötalgewicht. Wir sollten immer daran denken, dass Krebs sich ohne Sauerstoff entwickeln und existieren kann, und es kann sein, dass die Anpassung an niedrigere Sauerstoffmengen im Mutterleib Teil einer Erklärung für späteren Krebs ist. Beraube eine Zelle eines überwiegenden Anteils der Sauerstoffmenge, die sie benötigt, und du hast ein Schlüsselelement für den Ursprung einiger Krebsarten. Das kann nur eine Hypothese sein.

An Versuchstieren hat man herausgefunden, dass alles, was den fetalen Stresshormonspiegel erhöhte, später in erhöhtem Blutdruck, Angst und Hyperglykämie resultieren konnte. Und wenn wir an Stresshormon-Spiegeln herumfingern, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit späterer Herzkrisen. Und Kortisolspiegel sind auch schwer beteiligt bei der Anzeige, dass der Geburtsprozess beginnt.

Kortisol ist ein Stresshormon, weil es die Alarmsignale in Gang setzt, um übermäßigen und zu starken Input zu bekämpfen. Wenn das lange Zeit andauert, fördert es die Möglichkeit von Demenz und eines ganzen Haufens anderer Krankheiten. Primär-Einprägungen machen genau das; sie halten einen hohen Kortisol-Spiegel ein Leben lang aufrecht.

In nahezu jeder Untersuchung über pränatales Leben taucht die Folgerung auf, dass hohe Stresshormonspiegel der schwangeren Frau später beim Nachwuchs zu Bluthochdruck und Herzproblemen führen können. Kleinkinder von Müttern, die man vor der Schwangerschaft als ängstlich diagnostiziert hatte, hatten signifikant höhere Stresshormonspiegel. Die Neuro-Psychologin Paula Thomson erklärt: Pränatale Stressreaktionen hängen vom Stressniveau der Mutter ab. Aber wie Babys es zeigen, geschieht durch ein begrenztes physiologisches Vokabular.“  Sie glaubt, dass die fötale Stressreaktion bereits ’verdreht’ ist und dass sich die frühe Stressreaktion unter späterem Stress nicht ändert. Sie kann blockiert, umgeleitet, überdeckt werden, aber sie bleibt so klar wie ursprünglich.

Sie glaubt, dass man Stresszustände beim Ungeborenen und Neugeborenen durch erhöhten Herzschlag und höheres Aktivitätsniveau erkennen kann (plumper Körper, Einzel- und Mehrfach-Gliedmaßen mit höherer Reflex-Aktivierung). Das Ungeborene und Neugeborene können schlecht abgestimmte diffuse Bewegungen und offensichtliche Grimassen zeigen; und sie werden ziemlich ungeschickt sein und mangelhafte Koordination aufweisen. All das kann ein Prophet späterer Herzkrankheit sein. Das heißt, nur wenn wir das Problem in einem Gestalt-Überblick betrachten.

Thomson: „Ein überspannendes Ziel dieses Artikels besteht darin, Klinikern dabei zu helfen, die potentiell zerstörerischen Effekte pränatalen Stresses zu verstehen.“ (Siehe Thomson, „Down Will Come Baby,” Journal of Trauma and Dissociation, Vol. 8 (3) 2007).

Sie fügt hinzu: “Es ist zu hoffen, dass vermehrtes Wissen über pränatalen Stress psychotherapeutische Behandlungs-Protokolle beeinflussen wird, besonders wenn man ernsthaft traumatisiert und dissoziative Patienten behandelt, die vielleicht selbst frühen vorgeburtlichen Stress erlitten haben. Wenn des Weiteren diese Patientinnen schwanger werden, kann die geeignete Behandlung der Mutter dem Nachwuchs nützen. Wenn Kliniker eine Schwangere mit therapeutischer Intervention versorgen, wird dadurch vielleicht auch das Ungeborene beeinflusst.“ (Field, 2001; Ponirakis, Susman & Stifer, 1998)

Vergessen wir nicht Folgendes (Thomson): Eine der dramatischsten Veränderungen geschieht im ersten Augenblick der Empfängnis. Die primitive Zelle trägt den Bauplan für ein Individuum, das nie zuvor existiert hat und nie wieder existieren wird. Während es im Mutterleib ist, macht es die wichtigsten Erfahrungen seines Lebens, weil nahezu jede davon Bedeutung auf Leben und Tod hat. Damit hätte sich Freud befassen sollen, als er seine Theorie der Psychoanalyse entwickelte. Hier liegt das tiefe Unbewusste; ein düsterer Ort ohne Ausgang und Worte. Biologische Reaktionen dominieren. Um wiedererleben zu können, müssen wir alle unsere physiologischen Prozesse einschließen, nicht nur zerebrale Erinnerung. Der erste Schritt besteht darin, diese Fakten anzuerkennen; ein viel schwierigerer Schritt ist, eine Therapie für sie zu gestalten. Ich denke, das haben wir getan.

Einer der Schlüsselfaktoren bei hohem mütterlichen Kortisolspiegel ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass das Baby verloren wird; oder zumindest eine Frühgeburt. Noch einmal: Dieser erhöhte Kortisolspiegel geht auf das fetale System über und verändert das Baby auf eine Weise, über die wir noch lernen. Babys, die von deprimierten Müttern geboren werden, haben höhere Kortisolspiegel als normal. Hier folgt, was Lauren Kaplan und Kollegen darüber zu sagen haben: „Die In-utero-Umwelt formt das einzigartig plastische fetale Gehirn, was zu Langzeitmustern der Fehlanpassung von Verhalten und Physiologie führt.“

Lauren Kaplan, et al., „Effects of Mothers’s Prenatal Status and Postnatal Caregiving on Infant Biobehavioral Regulation.“ Early Human Dev. 2008 April; 84 (4) 249-256)

Was Forscher jetzt immer wieder sagen, ist, dass die Zeit im Mutterleib das Leben des Nachwuchses unabänderlich beeinflussen kann. Und nicht nur das Verhalten wird geändert sondern ebenso die Physiologie. Bedeutet das eine Änderung in der Primärtheorie? Absolut, es zieht die Decke viel weiter und früher zurück hinsichtlich des Zeitpunkts, an dem Einprägungen beginnen und hinsichtlich ihrer weitgestreuten Dauerwirkungen. Es bedeutet, dass die Art und Weise, wie das Geburtstrauma umgesetzt wird und wie darauf reagiert wird, von früheren Lebensumständen abhängt.

Informationen häufen sich jetzt, da die Forschung beharrlich in ein bisher unerforschtes Gebiet vordringt. In der BMJ vom 14. November 1998 gibt es einen Artikel von Marc Bygdeman und B. Jacobson mit dem Titel „Obstetric Care and Proneness of Offspring to Suicide as Adults“ (Fallkontrollstudie, Seite 1346-49, siehe BMJ Vol. 317, Webseite: www.bmj.com), der behauptet, dass „bestimmte Individuen durch einen Prägungsprozess unbewusst während des Selbstmord-Akts eine traumatische Situation schaffen, die eine Empfindung erzeugt, die der während der Geburt erlebten ähnelt.“ (Seite 1346) Das könnte ein Zitat aus einem meiner Bücher sein (und tatsächlich war einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter ein Student von mir). Was sie herausfanden, war, dass jene, die Selbstmord auf gewaltsame Weise begingen, öfters während der Geburt Komplikationen ausgesetzt waren. Eigenartigerweise hatten diejenigen Mütter, die betäubt worden waren, keinen Nachwuchs, der Selbstmord beging. Aber da gibt es den Zusammenhang, dass der Erwachsene vielleicht mit größerer Wahrscheinlichkeit drogenabhängig wird. Die Folgerung scheint zu sein, das während der Geburt verabreichte Opiate die Wucht des Traumas reduzieren und von daher mit geringerer Wahrscheinlichkeit Individuen schaffen, die zu Selbstmord neigen.

Meine Theorie behauptet Folgendes: Wenn in der Gegenwart ein Auslöse-Effekt durch eine gewisse Hoffnungslosigkeit besteht, die an sich nicht überwältigend ist, kann sie mit einer früher während der Geburt eingeprägten Hoffnungslosigkeit resonieren und einen Selbsmordversuch in Gang setzen; weil sie nicht nur das traumatische Originalgefühl auslöst sondern auch alle Umstände drum herum. Somit bedeutet Selbstmord den Versuch, der Agonie eine Ende zu setzen. Und wenn die Mutter Betäubungsmittel erhielt, um ihren Schmerz zu lindern, linderte das auch zugleich das Leiden des Babys. Also greift man später zu Drogen, um Schmerz zu lindern; eine Wiederholung des früheren Ereignisses.

Der Grund, warum die aktuelle Psychotherapie so versagt hat, liegt darin, dass die Faktoren, die gegenwärtiges Verhalten erzeugen, weit, weit früher zurückreichen als wir uns hätten vorstellen können. Für den Patienten ist es gefährlich, wenn man all diese Forschung ignoriert, weil es bedeutet, dass er wenig Chancen hat, suizidale Gefühle (und vielleicht Selbstmord) ohne dieses Verständnis aufzulösen. Somit kann es für den Patienten eine Angelegenheit auf Leben und Tod bedeuten.

Ich möchte die Rolle der Serotonin-Produktion im Fetus betonen. In den ersten paar Monaten der Schwangerschaft erfüllt der Fötus seine Serotonin-Quote nicht. (Dieser Neuro-Saft wirkt oft wie eine schmertötende Droge.) Er muss sich etwas von der Mutter „borgen.“ Das heißt, angenommen sie hat einen entsprechenden Vorrat, was bei chronisch deprimierten und ängstlichen Müttern nicht immer der Fall ist. Wenn sie ihn nicht hat, dann kann der Fötus nicht zur Apotheke gehen und sich etwas ausleihen. Der Vorrat der Mutter kann gering sein, wenn sie chronisch von Depression oder Angst beeinträchtigt wird oder wenn die Umstände ihrer Schwangerschaft unglücklich oder bedrückend sind. Das System prägt dieses Ereignis ein und ändert dann auf Dauer alle möglichen Sollwerte, einschließlich die des Serotonins. Ein niedriger Wert der Substanz bleibt als Erinnerung fixiert; er ist ein Aspekt der gesamten Erinnerungs-Erfahrung. Das ist zum Teil die Grundlage für spätere frei fließende Angst oder für Depression – ein anscheinend geheimnisvoller Zustand, der einen ohne sichtlichen Grund befällt. Diese Leiden treten auf, weil ein systemischer Mangel an geeigneter Verdrängung herrscht (Serotonin ist im Grunde ein Schmerz-/Gefühls-Unterdrücker). Niemand kann das sehen; und in der Tat wird es niemand sehen, bis der ständig nagende Schmerz ein ernsthaftes Symptom produziert. Dann wird der Mensch wegen des Symptoms behandelt, während er im Grunde derselbe bleibt. Das System ist immer bereit, ein anderes Symptom auszuspucken. Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Behandlung des Menschen und der Behandlung eines Symptoms. Symptome sind idiosynkratisch; zu Grunde liegender Schmerz ist einfach das – zu Grunde liegend. Mangel an Körperkontakt erzeugt ähnlichen Schmerz unter denjenigen, die nicht berührt wurden; wo dieser Schmerz sich niederlässt, ist eine individuelle Angelegenheit; bei einigen im Verhalten, bei anderen in körperlichen Symptomen. So kann jemand, während er aufwächst, immer ein Gefühl von Verhängnis und Untergang verspüren aber nie wissen, wie früh dieses Gefühl begann oder was es verursachte.

Um es zu wiederholen: Das Leben im Mutterleib hinterlässt eine Erinnerungsspur an ungebändigten Schmerz (angenommen es gab welchen). Die Person scheint mit fragiler Abwehr geboren worden zu sein, und wir fragen uns vielleicht, wie das geschah, weil doch eine liebevolle, fürsorgliche Familie um sie herum war. Dennoch kann bereits die leichteste körperliche Kränkung bei dieser Person schädliche Wirkung erzeugen. Die Einprägung ist die einer ungebändigten Angst, die jemanden später im Leben mit Panik- oder Angstattacken zurücklässt. Die körperliche Entwicklung kann unzureichend sein, weil chronisch niedrige Serotoninwerte bekanntermaßen das Körperwachstum beeinträchtigen. Serotonin ist so essentiell wie Nahrung; es ist Nahrung für den Fötus. Oft sehen wir bei solchen Individuen das, was in den frühen Tagen der Psychiatrie als Hysterie bezeichnet wurde. Sie sind leicht zu verletzen, weil sie eine unzulängliche Abwehr haben; und sie übertreiben ihre Reaktionen, weil es in ihnen einen siedenden Kessel voller Angst und Schmerz gibt, der an die Oberfläche drängt. Ihre Reaktionen sind unangemessen, weil sie immer auf einer schweren, dichten Schmerzlast sitzen.

Wir wissen jetzt, dass eine schwierige Geburt das Baby eines angemessenen Serotonin-/Hemmungs-Niveaus berauben kann. Später haben alle möglichen impulsiven Neurotiker –Kriminelle, Süchtige – niedrige Serotoninwerte und offensichtlich niedrige Hemmschwellen. Ich glaube nicht, dass wir, was nachteilige Wirkungen auf Serotonin betrifft, bei der Geburt aufhören müssen. Es kann auch in den letzten paar Monaten der Schwangerschaft geschehen, wenn Serotonin angemessen zu funktionieren beginnt. Noch einmal: Viele meiner Patienten haben zu Beginn der Therapie niedrige Serotoninwerte, normalisieren sich aber nach einem Jahr; folglich ist es ein umkehrbares Phänomen. (Für eine volle Diskussion dieses Punktes siehe mein Primal Healing. Es geht nicht nur um Serotonin; es gibt jetzt umfangreiches Forschungsmaterial, das zeigt, dass aufgrund eines Traumas bei oder vor der Geburt die Anzahl neokortikaler inhibitorischer präfrontaler Neuronen niedrig ist. Das sind schlechte Verdränger von Geburt an. Diese Individuen können nicht warten, verlieren die Geduld, haben Aufmerksamkeitsmangel-Störungen, schlagen bei geringer Provokation um sich und wollen, was sie wollen, JETZT!  Sie unterbrechen, weil sie nicht warten können, bis sie mit dem Reden an der Reihe sind. All das bedeutet, dass wir mit einer Tendenz zu ADD geboren werden können. Es ist nicht die Erbmasse, sondern es sind die Erfahrungen während des Lebens im Mutterleib, welche sich auf diese Erbmasse auswirkten. Es scheint, als würden würden wir damit geboren, aber meistens ist es nicht so.

Ziehen wir jetzt die Decke noch weiter zurück.

In einem kürzlichen Experiment zog ein Wissenschaftler einige Ratten auf, nachdem er einige der Bausteine für Serotonin (das Schlüsselelement in Prozac und der Schlüssel für Schleusung und Verdrängung) ausgeschaltet hatte. Die Tiere hatten nicht die nötigen Mittel, um eine Serotonin-Struktur aufzubauen. (Wir nennen das Schleusung; was nichts anderes ist als Schmerz chemisch zu blockieren, so dass die Leidensbotschaft nicht voll zu Bewusstsein kommt.) Dann ließ er die Weibchen reifen, schwanger werden und Babys haben. Von den 43 getesteten Mausembryos zeigten 37 Anomalien und Gehirnfehlfunktionen. Das deutet darauf hin, dass der Zustand der Tiermutter die Entwicklung des Babygehirns beeinflusst. Ihr Serotoninspiegel kann bestimmen, wie ihr Nachwuchs heranreift. Wenn also eine Schwangere chronisch deprimiert ist und folglich niedrige Serotoninwerte hat, kann das ganze Leben des Babys nachteilig beeinflusst werden. Und die Veränderung in ihm als Ergebnis der „Vererbung“ werden bestimmen, welche Art von Mutter der Nachwuchs sein wird. Die Umwelt der späteren Kindheit zählt viel, aber nicht so viel wie die Zeit, wenn das Babygehirn sich  schnell entwickelt. In der Schwangerschaft ist es wesentlich, dass die Mutter in jeder möglichen Hinsicht normal ist. Andernfalls kann sie die Bedürfnisse ihres Babys im Mutterleib nicht erfüllen. Und eine Definition von Liebe ist dabei zu helfen, die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen. Keine Bedürfniserfüllung – keine Liebe.

Sehr wichtig für uns ist die Erkenntnis, dass ein Mäusefetus vor dem dritten Trimester kein eigenes Serotonin herstellt. Es scheint, dass die Mutter zur Verfügung stellt, was gebraucht wird, bis das Baby übernehmen kann. Aber wenn die Mutter wenig Vorräte hat, kann sie nicht erfüllen, was dem sich entwickelnden Baby fehlt. Folglich trägt das Baby eine Schmerzlast mit sich herum. Wenn wir das jetzt auf Menschen anwenden, scheint es in der Schwangerschaft eine Zeit zu geben, in der Schmerz oder schädliche Stimuli einwirken, wir aber noch nicht fähig sind, genug von unseren eigenen Schleusungs-Chemikalien zu produzieren, was zu ungeschleußtem Schmerz führt. Dieser Rückstand wird fortbestehen und kann später im Leben zu Angstattacken führen. Er wird zu frei fließender Furcht oder zu Terror. Das ist nicht auf Vererbung zurückzuführen sondern vielmehr auf Erfahrung im Mutterleib. Deshalb sollten wir das Leben im Mutterleib nie vernachlässigen, wenn wir uns mit Neurose befassen. Ein Teil unseres in-utero-Lebens nimmt es folglich mit Schmerz auf, und das zu einer Zeit, wenn unser System nichts dagegen machen kann. Nichtsdestotrotz beeinflusst er jede spätere Entwicklung. Mit 30 leiden wir vielleicht unter einer Panik-Attacke (als exzessive Agitation), die ihr Leben in den ganz frühen Monaten der Schwangerschaft unserer Mutter begann. Sie ist ursprünglich und frei-fließend, bereit hervorzuspringen, wann immer wir verletzlich sind oder unsere Abwehr schwach ist. Keine Gesprächstherapie kann da eine Delle hineinschlagen. Sie macht uns ein Leben lang fragil, so dass uns jede Verletzung in der Säuglingszeit und Kindheit umso mehr schwächt. Zum Beispiel können fordernde und/oder reservierte Eltern eine Allergie-Tendenz leicht verstärken.

Catherine Monk und ihre Kollegen untersuchten Angst bei schwangeren Frauen. (Monk, C. et al., « Effects of Women’s Stress-Elicited Physiological Activity and Chronic Anxiety on Fetal Heart Rate. » Developmental and Behavioral Pediatrics, 2003. Lippincot Publishers. Ihre Scglussfolgerung lautete: “Die emotionsbasierte physiologische Aktivität von Frauen kann den Fetus beeinflussen und ist vielleicht für die fetale Entwicklung wichtig.“ Zu denken, dass es eine signifikante physiologische Veränderung gibt aber keine spätere psychische, würde bedeuten, das menschliche Gehirn zu ignorieren.

Kommen wir jetzt zu den anhaltenden Effekten des Vorgeburts- und Geburtstraumas: Alyx Taylor hat gezeigt, dass die Stressreaktion des Babys auf eine Impfung im Alter von acht Wochen weitgehend vom „Entbindungsmodus“ des Neugeborenen bestimmt wurde. Diejenigen, welche am meisten reagierten, wurden durch Geburtshilfe entbunden. Kaiserschnitte zeigten die geringste Reaktion. Das zentrale Forschungsergebnis war, dass die Stressreaktions-Schaltkreise (HPA-Kreis) im Gehirn bestimmen helfen, wie ein Baby auf zukünftigen Stress reagieren wird.

Ich werde jetzt nicht alle möglichen relevanten Untersuchungen zitieren, aber ein solcher Artikel ist ein Überblick über viele miteinander verwandte.  Nicole Talge und ihre Kollegen überblickten die Daten hinsichtlich dessen, was mit den Babys gestresster Mütter geschieht. („Antenatal Maternal Stress and Long-Term Effects on Child Neurodevelopment. How and Why.” Journal of Child Psychology and Psychiatry. 48:3/4 4 (2007) pp 245-261.)

Nahezu alle Studien postulieren einen Effekt der Mutter auf den Fötus. Ich behaupte, die wirkliche Frage lautet: „Was können wir dagegen tun?“ Jahre später scheint das eine unmögliche Aufgabe, aber sie ist es nicht. Wenn es ein eingeprägtes Trauma während der Zeit im Mutterleib gibt, verschließt sich das Gehirnsystem über dem Schmerz durch Hemmung/Schleusung. Hinterher bestehen die Wirkungen lebenslang.

Das Beste, das man danach tun  kann, ist, das Symptom zu behandeln. Um die Ursache zu behandeln, müssen wir zu der ursprünglichen Quelle zurückgehen und das Trauma ungeschehen machen. Wir machen das, indem wir das Trauma wiedererleben und die Schleusen öffnen. Es ist, wie ich an anderer Stelle erklärt habe, dadurch machbar, dass wir emotionale Traumen in der Kindheit wiedererleben, die ihre Wurzeln in vorgeburtlichen Ereignissen haben. Wenn wir das Kindheits-Ereignis voll wiedererleben, schließt es das frühere Trauma mit ein; jedes neue verwandte Trauma wird auf höheren Ebenen re-repräsentiert. Und wenn diese späteren Traumen wiedererlebt werden, sehen wir das Verschwinden (oder Reduktion der Stärke) des Symptoms, wie z.B. hoher Blutdruck. Das ist deshalb so, weil das frühere Trauma nur durch spezifische physiologische Reaktionen wie Blutdruck oder Herzschlag ausgedrückt werden kann. Das Wiedererleben physiologischer Reaktionen kann ausreichend sein, wenn andere Variable gegeben sind. Wenn wir uns in unserer Therapie mit dem verwandten Kindheits-Feeling verknüpfen, schließt es automatisch die frühere physiologische Komponente des Feelings mit ein (vorausgesetzt die Person hat tieferen Zugang). Ich möchte wiederholen, dass es einen Zeitplan von Bedürfnissen gibt, die zu der Zeit und keiner anderen befriedigt werden müssen. Ist der Fötus einmal von der Wirkung eines hohen Stresshormon-Spiegels betroffen, ist die Sache gelaufen; das System schleust es, so gut es kann, und keine andere Behandlungsart außer Wiedererleben kann es ändern.

Das ist eine Änderung in unserem Paradigma. Es bedeutet, dass ein Trauma, das lebenslange Auswirkungen hat, während des Lebens im Mutterleib geschehen kann und danach tiefgreifende Wirkung auf unser späteres Verhalten und auf Symptome hat. Wie also sollte es uns möglich sein, gegen Allergien, Migräne und hohen Blutdruck vorzugehen ohne Anerkenntnis der tiefen und weit entfernten Ursachen des Problems? Ich schreibe seit Jahrzehnten darüber. Der Unterschied ist, dass die Forschung jetzt nachgezogen hat und anfängt, unsere Theorie zu bestätigen. Und jetzt sehen wir, warum es nach einem Jahr unserer Therapie zu einer Normalisierung natürlicher Killerzellen kommt; wie ich betont habe, sind das Zellen auf der Suche nach sich neu formierenden Krebszellen, und sie attackieren diese. Somit könnten wir sagen, eine Möglichkeit Krebs vorzubeugen besteht darin, sicherzustellen, dass unser Immunsystem intakt und stark ist. Obgleich ich umfassend über den Wert und die Wirksamkeit des Wiedererlebens in vielen Büchern geschrieben habe, unterstützt die Forschung erst jetzt diesen Standpunkt. Von der News in Science (4. Juni 2008) stammt diese Aussage: „Das Archives of General Psychiatry ist das jüngste Journal, das den Wert der sogenannten anhaltenden Aussetzungstherapie (Wiedererleben) für die posttraumatische Stressstörung (PTSD) zeigt.“ Die Untersuchung betraf Individuen, die als PTSD klassifiziert wurden und drei unterschiedliche Therapiearten erhielten. Eine war kognitive Neustrukturierung (Denkmuster ändern). Die zweite war Wiedererleben. Das letzte Drittel bekam keine Form von Therapie. Wiedererleben wird hier definiert als Prozess, bei dem man anhaltend dem Problem ausgesetzt wird, das den Zustand ursprünglich verursacht hat. Die Ergebnisse waren, das ein Drittel der Langzeit-Aussetzungsgruppe PTSD entwickelte. Nahezu zwei Drittel der kognitiven Gruppe bekamen PTSD, während nahezu 80 Prozent der Nicht-Therapie-Gruppe als PTSD diagnostiziert wurden. Sechs Monate nach der Therapie war wiederum ein Drittel der Wiedererlebens-Gruppe PTSD, während die kognitive Gruppe bei 63 Prozent lag. Die Forscher fassten wie folgt zusammen: „Die aktuellen Befunde legen nahe, dass die direkte Aktivierung von Trauma-Erinnerungen besonders nützlich ist für die Verhinderung der PTSD-Symptome“ Sie betonen, dass PTSD in den ersten paar Monaten nach dem ursächlichen Trauma nicht einsetzt. Der einzige Unterschied zu meiner Theorie ist, dass die Traumen weit früher als erwartet geschahen. Mittlerweile betonen sie, dass es einen „wachsenden Trend“ zur Aussetzungstherapie gibt. Kann sein, dass alle unsere Anstrengungen in den letzten 40 Jahren nicht vergebens waren.

Hier folgt, was Alexander Jones und Kollegen über seine Erforschung des vorgeburtlichen Lebens gesagt haben: („Fetal Growth and the Adrenocortical Response to Psychological Stress“ , Jones et al., J. Clin. Endoc. Metabolism. Feb. 7, 2006 10: 1210/jc. 2005-7)

Ich gebe den Text frei wieder, um den wissenschaftlichen Fachjargon ein wenig verständlicher zu machen: Tierstudien zeigen, dass die Stressreaktion die Sollwerte mehrerer Hormonsysteme ändert; und das wird später Auswirkungen haben hinsichtlich der Art, wie wir später auf eine harte Umwelt reagieren. Ein Bericht von K.L. Thornburg und S. Louey („Fetal Roots of Cardiac Disease.” Heart 2005; 91: 867-868) erörtert, wie Stress beim Fetus später im Leben zu Herzkrankheit führen kann. Wenn das Neugeborene untergewichtig ist (was oft ein Hinweis auf widrige Ereignisse im Mutterleib ist) besteht später im Leben eine größere Tendenz zu Problemen im Endothelium (die Auskleidung des Herzens). Es gibt Hinweise, dass Sauerstoffmangel während der Schwangerschaft außerdem ein weiterer traumatischer Faktor ist, der das Herz beeinflusst. Wann immer wir das Endothelium gefährden, riskieren wir Herzprobleme, das trifft offensichtlich auf Beschädigung während der Schwangerschaft zu. Es leuchtet ein, dass pränatale Traumen generell allumfassend sind; wir sollten Schaden nahezu überall finden, wo wir hinsehen. Das Problem ist, dass wir ohne eine allumfassende Theorie, die uns anleitet, wohin wir schauen müssen, niemals Herzattacken mit 50 mit einem Trauma im Alter von minus sechs Wochen zusammenbringen würden. Ich gelangte vor Jahren dorthin aus der Beobachtung heraus, die auch ein gültiger Teil der wissenschaftlichen Methode ist. Die Forschung hilft jetzt, das Ganze zu bestätigen.

Es gibt mehrere Studien, die fetale Hypoxie (reduzierten Sauerstoff) untersuchten, und das Ergebnis scheint systematisch schwere emotionale Krankheit später im Leben zu sein. (Siehe: „Behavioral Alterations in Rats Following Neonatal Hypoxia and Effects of Clozapine.” Fendt. M. et el. Pharmacopsychiatry Jul, 2008 ; 41 (4) 138-45) (Siehe auch : « Decreased Neurotrophic Response to Birth Hypoxia in the Etiology of Schizophrenia.“ T.D. Cannon, et al., Biological Psychiatry, Vol 64, Issue 9 Nov, 2008. s. 797-802) Es gibt immer mehr Informationen über die später krank machenden Effekte von Traumen bei der Geburt und zuvor. Es ist unsere Pflicht als Menschen, die damit betraut sind, psychisch kranke Patienten zu heilen, dass wir das untersuchen. Ohne dieses Verständnis wissen wir nicht, wohin wir schauen sollen, um Patienten zu heilen. Die Information ist da draußen; es liegt an uns in den den Heilberufen, sie aufzuspüren.

Die Frage ist: „Warum Hypoxie bei Schizophrenie? Es gibt mehrere Erklärungen. Was ich immer wieder beobachtet habe, ist, dass der Fetus in Gefahr ist, an Sauerstoffmangel zu sterben und dann nicht die Mittel hat, das Trauma zu bekämpfen (z.B. eine rauchende Mutter). Mangel an genügend Sauerstoff ist ein schrecklicher Stressor. Wenn der Zustand anhält, zeichnet sich der Tod ab. Des Weiteren lässt er den Fetus und das Baby mit Ressourcen zurück, die nicht ausreichen, um zukünftigen Stress zu bekämpfen. Die Gefahr bleibt als Grundschicht, so dass jedes spätere Trauma sie auslösen kann; deshalb kommt es zu Atmungsproblemen. Somit sind Angstreaktionen auf anscheinend nicht-toxische Situationen übertrieben und entsprechen nicht der Schwere der gegenwärtigen Situation. Sie haben einfach den Beinah-Tod im Mutterleib wieder aufgeweckt. Es geht nie darum, Verhalten zu ändern, wie die Anhänger der kognitiven Therapie es gerne hätten; es geht darum, was diese Verhaltensweisen zuerst geformt hat.

Ich habe in meinen anderen Werken die Auffassung vom „kritischen Fenster“ diskutiert; das ist einfach jene Zeit im Leben, in der und keiner anderen Zeit Bedürfnisse erfüllt werden müssen. Wir können ein Kind im Alter von zehn Jahren den ganzen Tag herzen, aber das wird den fehlenden Körperkontakt in den ersten vier Lebensmonaten nicht beseitigen, der das gesamte System deregulierte und ein Vermächtnis innerlich eingeprägten Schmerzes hinterließ; ein Schmerz, für den man ständig Schmerztöter nehmen muss. Und es bleibt ein Geheimnis für die liebevollen Adoptiveltern, die das Kind im Alter von 12 Wochen aus einem Waisenhaus aufnahmen.

Es gibt keinen anderen Weg, diesen Mangel auszugleichen, als zurück zu gehen und das Originaltrauma wieder zu erleben. Es gibt keine Möglichkeit, dieses Defizit „wettzumachen,“ so sehr wir uns das auch wünschen. Es setzt sich fest in Form veränderter biologischer Sollwerte. Wir können den dadurch angerichteten Schaden (Nierenleiden) behandeln, nicht aber seine Ursachen. Das gesamte Nervensystem muss sich in die Zeit zurückziehen, als das Trauma geschah; es kann nie eine Sache des „Sich-Erinnerns“ sein. Es muss organische und systemische Erinnerung sein. Das heißt, ein Teil der präzisen Erinnerung liegt in diesen neuen Sollwerten. Und sie sind alle eng damit verbunden, wie sie sich zuerst entwickelt hatten.

Es gibt ein kritisches Fenster für gesund funktionierende Nieren. Es ist irgendwann im letzten Trimester der Schwangerschaft, dass sich die meisten Nierenzellen (Nephronen) entwickeln (bis zur 36sten Woche). Nephronen-Entwicklung beginnt gleich nach der achten Woche. Ein Trauma hier, wie subtil auch immer, kann auf spätere Nierenkrankheit hinauslaufen, ohne offensichtlichen direkten Grund. Wenn der Schaden einmal angerichtet ist, können wir nur seine Symptome behandeln (es sei denn, wir befassen uns mit dem Ursprung).

Physiologische Reaktionen sind die Basis für spätere Gefühle. Was diese physiologischen Reaktionen verzerrt, wird letztlich ebenso psychische Reaktionen verzerren. Wenn das System aufgrund eines frühen Traumas hochgradig aktiviert ist, haben wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ein hyperaktives Individuum, das nach Projekten sucht, um sich selbst aktiv und beschäftigt zu halten. Wenn Dopamin und andere Alarm-Chemikalien knapp bemessen sind, haben wir vielleicht später jemanden, der phlegmatisch ist und sich Gründe ausdenkt dafür, dass er nichts macht und nichts durchzieht. Es ist kein Eins-zu-eins-Verhältnis, aber wir können sehen wie die Plattform der Physiologie schließlich unsere Psychologie lenken wird. Wenn wir nicht alle mobilisierenden Chemikalien haben, die wir brauchen, ist klar, dass der Erwachsene, um die Dinge ego-syntonisch (angenehm für die Person) zu halten, rationalisiert, warum er es nicht versucht und warum er nicht durchhält.

Man kann sich zurecht fragen, wie man Ereignisse im Mutterleib ohne Szenen oder Worte wiedererleben kann. Glücklicherweise ist dieser Teil der Einprägung total physiologisch. Wir brauchen keine verbalen Bekenntnisse. Dieser tiefe Hirnstamm ist auch ein sehr wichtiger Teil unseres Zentralnervensystems und gibt einem Feeling den nötigen Kick oder Schub. Ein einziges Feeling umfasst alle drei Ebenen der Gehirnfunktion. Es sei noch einmal gesagt, dass es hier keinen anderen Ausweg gibt, als in die tiefsten unbewussten Zustände einzutauchen, was sich dialektisch und automatisch in volles Bewusstsein umwandelt. Denken sie daran, dass jede Ebene ihr eigenes Bewusstsein hat und ihren eigenen Beitrag leistet. Wenn wir dort unten ankommen, kommunizieren wir mit einer Ebene, die ihre ganz eigene Identität hat. Eine Ebene ist reiner Instinkt, eine andere reines Gefühl und wieder eine andere reiner Gedanke. Setze sie alle zusammen, und wir bekommen reines Fühlen. Eine Therapie des Fühlens muss alle Bewusstseinsebenen in Betracht ziehen. Und jede richtige Psychotherapie muss verstehen, dass man schließlich scheitert, wenn man sich allein mit der jüngsten obersten Ebene des Denkgehirns befasst. Es sind überwältigende Gefühle/Schmerzen, welche die Probleme (sagen wir Sucht) anfangs verursacht haben. Wenn wir die Gedanken ‚entkleiden’, ihnen die Gefühle nehmen, bekommen wir jemanden, der ein Psychopath sein könnte; der die Handlungen des Menschlich-Seins vollzieht, aber ohne Menschlichkeit. Je tiefer wir ins Unbewusste gehen, umso bewusster werden wir. Wenn wir in der Therapie auf andere Bewusstseinsebenen ( die man als Unterbewusstsein betrachtet) hinabsteigen, sind wir in einer eigenartigen Dialektik zugleich unbewusst und bewusst. Wenn wir hinabsteigen, wird das Unbewusste automatisch bewusst – an diesem Punkt können wir schließlich unserem Schöpfer begegnen – uns selbst.

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Übersetzung: Ferdinand Wagner