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Primal Mind

 

Dr. Arthur Janov:   Ü     Noch mehr über Depression (2) DDrängung als Hauptakteur                 

Freitag, 03. September 2010, Still More on Depression, www.arthurjanov.com                                                         

                                                                                                          

 

 

David Laplante und Michael Meaney von der McGill Universität in Kanada schreiben Folgendes: „Wir vermuten, dass ein hohes Maß an pränataler Stress-Ausgesetztheit vor allem in der frühen Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Fetus negativ beeinflussen kann.“ („Stress During Pregnancy Affects General Intellektual and Language Functioning in Human Toddlers.” David Laplante, Michael Meaney, et al, Pediatric Research, Vol. 56, No. 3, 2004.) Sie untersuchten schwangere Frauen während eines schweren Eissturms im Jahr 1998. In dieser Studie vermerken sie: „Prägung bei der Geburt kann Individuen für bestimmte Verhaltensmuster prädisponieren, die im maskierten Zustand den größten Teil des Erwachsenenalters hindurch verbleiben.“ K.J.S. Anand und Kollegen behaupten, dass in einer Reihe von gewaltsamen Selbstmorden „die signifikanten Risikofaktoren jene perinatalen Ereignisse waren, die wahrscheinlich Schmerz im Neugeborenen verursacht haben.“ (Seite 70.) Sie weisen auch darauf hin, dass schwangere Frauen, die schwer geraucht haben, Babys hatten, die später mehr zur Kriminalität neigten. Und Mütter, die während der Schwangerschaft Drogen nahmen, hatten Kinder, die weit mehr zum Drogenkonsum neigten, sowohl zu schweren Opiaten als auch zu Speed (Amphetamine). Es gibt jetzt buchstäblich Hunderte von Studien, welche die Hypothese über frühe (Ein)prägungen stützen, wie sie andauern und unsere Systeme verändern.

 

Das ist neues Material. Vor etwa 20 Jahren hatte man diese Forschung größtenteils nicht gedacht. Die meisten klinischen Studien bestätigen, was wir seit nahezu 40 Jahren sagen. Der Beweis dafür wird jetzt unter Wissenschaftlern nicht in Frage gestellt. In Frage gestellt wird die Notwendigkeit, das alles wiederzuerleben. Es gibt kaum einen Psychotherapeuten unter uns, der an die absolute Notwendigkeit glaubt, alte Ereignisse wiederzuerleben und ihre Prägungen zu ändern, aber nichtsdestotrotz ist es genau dieser Prozess, der heilt. Könnte  ich vielleicht sagen, dass der einzige heilsame Prozess einer ist, der sich mit Geschichte und Erinnerung befasst?

 

Wenn ich behaupte, dass der Patient seine Zeit im Mutterleib „erinnert,“ müssen wir daran denken, dass Erinnerung etwas jenseits verbalen Abrufens sein kann. Der Körper erinnert sich an seinen Sauerstoffmangel, an seine fehlende Bewegungsfreiheit, sowohl in einem physischen als auch anatomischen Sinn, an seine Strangulierung durch die Nabelschnur oder an sein Empfinden, durch Anästhetika überwältigt und stillgelegt zu werden. Am Anfang gibt es eindeutig kein verbales Erinnern, sondern es gibt ein tieferes Gehirnsystem, welches das Erlebnis aufgezeichnet hat.

 

Einprägungen stehen gewöhnlich nicht im Lexikon des Therapeuten; wenn man neun Monate Fötalleben ignoriert, dann gibt es keine Wahl: Regeln und noch mehr Regeln, 10 oder 12 Schritte ins Nirwana, etc. Gefühle sind das Gegenteil von Regeln. Regeln sind ein Kausalfaktor bei Depression. Der Depressive wuchs zu oft mit Regeln und Regulierungen auf anstatt mit Wärme, Freundlichkeit und Zärtlichkeit. Allzu oft gehen sie zu einer Therapie, die Regeln hat – bekannt als Verhaltenstherapie oder kognitive Therapie, ein Versuch der Verhaltensänderung – die Verhaltensregeln involviert. Die Methode ist im Grunde „Mach etwas mit mir“. Leider ist es so, dass in den meisten konventionellen Therapien mit dem Patienten „etwas gemacht wird.“ Es ist, was die Eltern gemacht haben – jetzt als behördlicher Erlass. Die Person ist der Empfänger einer Vielzahl von Manipulationen. Wenn wir Gefühle ignorieren, dann muss man uns irgendwie „abfertigen.“ Das geschah mit vielen von uns, als wir aufwuchsen – Befehle rundherum, ohne Rücksicht darauf, wie wir uns fühlen. Es kann so subtil sein, wie ein Kind nie zu fragen, was es zum Mittagessen mag. Es lernt, jedoch subtil, dass seine Bedürfnisse und Gefühle nicht zählen. Wir wohlen diesen Fehler gewiss nicht noch schlimmer machen.

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Übersetzung: Ferdinand Wagner