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Dr. Arthur Janov:    Not im Mutterleib und wie sie unser ganzes Leben beeinflusst                

Montag, 02. September 2013, Adversity in the womb and how it affects all of our lives,  www.arthurjanov.com                                                       

                                                                                                          

Im Lauf der Jahre habe ich eine große Anzahl von Studien zitiert, die zeigen, wie Erfahrungen im Mutterleib ein Leben lang fortdauern können. Offensichtlich scheint, dass die chronische Gemütslage der Schwangeren dieselben oder ähnliche Auswirkungen in ihrem Nachwuchs erzeugt. Eine Möglichkeit, wie wir diese schädlichen Erfahrungen einprägen, ist der Prozess der Methylierung. Wir rekrutieren Teile der chemischen Methyl-Gruppe, um die Verdrängung  von Erinnerung zu verstärken oder zu versiegeln. Und die Bedeutung unserer geplanten Forschung liegt darin zu zeigen, wie weit zurückliegende/frühe Erfahrung die Neurophysiologie von uns Menschen ein Leben lang verändert.

  Ich habe erklärt, dass traumatische Prägungen unsere Biologie und unsere Neurologie ändern; der Verdrängungsprozess dieser Schmerzen kann eine Rolle spielen bei so ernsthaften Leiden wie Krebs und Alzheimer. Aber was wir zeigen wollen, ist, dass wir mit unserer Therapie die Prägung umkehren oder ein gut Stück verändern können. Ich habe vorgeschlagen, dass wir beim Wiedererleben der Primärprägung ihre Wirkungen mindern, und wenn das einmal getan ist, dann können wir diese Einprägung tatsächlich kurzschließen oder entmethylieren. Kann Entmethylierung das Fortschreiten einer ernsten Krankheit verhindern? Das glaube ich. Wir müssen es beweisen.

  Aber die Theorie sollte uns hier führen; tiefe Verdrängung, schwere Methylierung ist die Übeltäterin bei vielen Leiden, nicht zuletzt bei Depression. Können wir rechtzeitig intervenieren, um das Fortschreiten körperlicher und seelischer Krankheit zu verhindern? Tatsächlich attackieren wir die Schlüssel-Urprägungen an ihrem Ursprungsort. Und da wir chronische Kortisol-Spiegel (Alarmreaktionen) senken und ebenso Blutdruck, Temperatur und Herzfrequenz verringern, haben wir bereits den Beweis für die Umkehr von Schlüssel-Indizien der Neurose/des eingeprägten Schmerzes. Mir scheint, das System funktioniert als Ganzes, und wenn wir wiedererleben und viele Begleiterscheinungen des eingeprägten Schmerzes mildern, beeinflussen wir die Prägung direkt. Warum sonst sollten als Ergebnis unserer Therapie bei vielen unserer Patienten die Stresshormone kontinuierlich sinken? Ich möchte auch zu verstehen geben, dass Aufhebung von Verdrängung zu einer längeren Lebensspanne für unsere Patienten beitragen kann, was wir anhand der Telomer-Längen messen werden.

  Methylierung erlangt entscheidende Bedeutung in der Wissenschaft der Gegenwart. Kürzlich hat man herausgefunden, dass die Aktivität einiger Gene unterdrückt wird, wenn ein DNA-Strang von viel Methyl umschlossen wird. Und sie fanden in einer Studie an Zwillingen heraus, bei der der eine gesund war und der andere eine gespaltene Wirbelsäule hatte (New Scientist, 31, Aug. 2013), dass die mögliche Ursache eine Übermenge an Methyl in diesem Areal war, die einen Teil der Wachstumsaktivität zu Fall bringt; Wachstum wurde unterdrückt. Es scheint immer mehr, dass Methyl und Verdrängung Blutsbrüder sind. Es ist schwer das eine ohne das andere zu bekommen. Wir finden heraus, dass immer mehr Schaden – wie z.B. bei Pestiziden – durch die Methylgruppe vermittelt wird; das heißt, das Methylierungsmuster ändert sich. Und es kann auch sein, dass andauerndes Rauchen sich auf die Methylierung ausgewirkt hat und dadurch dauerhaften Schaden erzeugt.

  Ich habe mich gefragt, warum wir bei einigen Patienten im Alter von 40 Jahren Weisheitszähne wachsen sehen oder warum es bei Dreißigjährigen zu deutlichem Fußwachstum kommt. Methylierung ist vielleicht eine Antwort, weil – eine Vermutung – was anscheinend geschieht, ist, dass wir Methylierung zum Teil rückgängig machen und bestimmten Strukturen ermöglichen, ihre Reise zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort fortzusetzen. Anders gesagt blockiert oder vereitelt Methylierung genetische Entwicklung, legt sie auf Eis, bis man auf sie zurückkommt und ihr dann gestattet, entlang ihres genetischen Bogens fortzufahren.

Hinsichtlich der Zwillings-Studie scheinen die Autoren zu denken, dass die Methylierung für jeden der Zwillinge unterschiedlich sein kann, obwohl sie denselben Mutterleib gemeinsam haben. Und das kann letztlich beeinflussen, wie jede Person später mit anderen interagiert; es kann zu markanten Unterschieden führen.

  Was mir das klarmachte, war ein kürzlich erschienener Artikel in der Science News (auch in Human Health, Brain and Behaviour, Aug. 25, 2013). Schwangere Mäuse, denen man Koffein verabreichte, veränderten die Gehirne des Nachwuchses. Eine Gruppe von Mäusen trank mit Koffein aufbereitetes Wasser (eine Menge, die eine Frau in der Schwangerschaft trinken würde – etwa 3 Tassen Kaffee am Tag). Das hatte direkte Auswirkung auf Teile des limbischen Systems, insbesonders auf den Hippocampus. In diesen Strukturen gab es bei den Mäusen weniger Neuronen, die mit Erinnerung zu tun haben. Und darüber hinaus schnitten diese Mäuse bei Gedächtnistests schlecht ab. Diese Mäuse erkundeten keine neuen Reize und hatten, was ich als Aspekte von ADD halte. Sie waren nicht so neugierig wie normale Mäuse. Ihre Gehirne schienen anders verdrahtet. Und es ist kein großer Schritt, die Implikationen für Menschen zu sehen. Eine Mutter muss keinen Kaffee getrunken haben, um nachteilige Effekte hervorzurufen; sie muss nur in einem chronisch gereizten, nervösen Zustand sein. Das ist genau so, als hätte sie viele Tassen Kaffee getrunken. Der Fötus nimmt das automatisch wahr und reagiert entsprechend. Neuronen im limbischen System werden dann ebenso hyperaktiv. Und diese chronische Agitation verhindert, dass Fokusierung und Konzentration zustande kommen.

  Bei Sitzungen mit Dauer-Thermistoren in unseren Patienten können wir Veränderungen des Blutdrucks beobachten, wenn der Patient Schlüssel-Prägungen wiedererlebt. Er sinkt, wenn Primärschmerzen wiedererlebt werden, und steigt, wenn Verdrängung offenkundig ist. Wir sehen das auch deutlich bei der Körpertemperatur; Depressive kommen in die Sitzung mit niedriger Körpertemperatur, und wir sehen, wie sich normalisiert, wenn die Person frühe Traumen wiedererlebt. Mit anderen Worten, wenn entscheidende Erinnerungen wiedererlebt werden, dann ändern sich die „Ausstaffierungen“ der Erinnerung; von daher, glaube ich, können wir zu dem Schluß kommen, dass sie die Anzeichen von Veränderungen in der Prägung selbst sind. Kurz gesagt ist die Prägung ein Ensemble von Reaktionen und nicht nur chemisch.

  Alle externen Stimuli, welche die schwangere Mutter beeinflussen, berühren auch ihr Baby. Sein Verhalten gründet nicht so sehr auf seinem genetischen Vermächtnis sondern eher auf seinem epigenetischen Erbe, auf seiner Lebenserfahrung.Wir müssen verstehen, dass wir während der Schwangerschaft vorsichtig sein müssen mit der Einnahme fremder Substanzen – von Alkohol bis zu den Beruhigungsmitteln. Und dafür müssen wir uns bewusst sein, dass Auswirkungen im Mutterleib durchschlagend und dauerhaft sind.

  Weil sie dauerhaft sind und das System ständig stimulieren, besteht Hoffnung; dass wir die Grund-Prägung angreifen und sie rückgängig machen können. Es geht nicht um Vererbung, die irreversibel ist, sondern um Epigenetik, die reversibel ist, etwas, das wir seit nahezu 50 Jahren machen. Wenn es Lebenserfahrung war, die Änderungen in der Biochemie und im neuronalen Schaltkreis verursacht hat, dann kann man sie ändern. Sie ist keine unveränderbare Entität. Gemacht wird das, indem man Schlüssel-Einprägungen ausfindig macht und wiedererlebt. Die Veränderungen bei den vitalen Körperfunktionen sind Teil der Einprägung, so dass uns das Rückgängig-Machen von Nebenprodukten (Senken des Blutdrucks) von der Wirkung des Wiedererlebens auf die Einprägung erzählt.

 

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner