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Dr. Arthur Janov:   ÜDDPrototypen und Sex: Der ÜberfallDDrängung als Hauptakteur                 

Freitag, 29. Oktober 2010, Prototyps and Sex: The Hijack, www.arthurjanov.com                                                         

                                                                                                          

Ich habe an früherer Stelle über den Prototypen geschrieben. Das ist jenes traumatische Ereignis, welches auf das fetale System einwirkt und seinen Entwicklungsverlauf ändert. Es trägt grundlegend dazu bei, wer wir später sein werden und verformt unsere Persönlichkeit. Es bestimmt auch, wie wir auf das Geburtstrauma reagieren (wenn es eins gab). Eine schwangere Mutter, die eine halbe Schachtel am Tag raucht und dann bei der Geburt unter Sauerstoffmangel leidet. Sauerstoffmangel würde das pränatale Ersticken verstärken und die Persönlichkeitsentwicklung verformen. Die Erinnerung wird dann eingeprägt, sodass sie jedes zukünftige Verhalten im Stressfall bestimmt.

Es ist das limbische System – insbesonders der Hippocampus –, der mit etwas Unterstützung von der Amygdala und dem Striatum die Geschichte durchsucht und automatisch den Prototypen findet, die Einprägung, die ursprünglich den Überlebensmodus für den Organismus festgelegt hat. Diese Überlebensreaktion setzt sich fest und steuert uns ein Leben lang. Natürlich kann sie sich durch spätere Ereignisse in der Kindheit verstärken.

Behalten wir den Prototyp in Erinnerung, wenn wir versuchen, Sex zu verstehen. Um es zu wiederholen: Hohe Erregung beim Sex kann vom System als Gefahr aufgefasst werden, weil das ursprüngliche hohe Erregungsniveau eine Gefahr war. Das System kann zwischen den Beiden nicht unterscheiden, weil sie gleiche Kraft oder Valenz haben. Auf diese Weise kann sexuelle Stimulierung das Originaltrauma und unsere Reaktion darauf auslösen. Die Hirnwellenmuster von Vergangenheit und Gegenwart werden ununterscheidbar, so dass Sex und Trauma verschmelzen und identisch miteinander ablaufen. Das ist der Überfall. Sie sind alte Freunde. Der Sex klettert an Bord des Trauma-Vehikels und fährt mit; aber er fährt dorthin, wo das Trauma ihn hinbringt und nirgendwo anders. Das Trauma weist den Weg, weil es Überleben einbezieht. Genau das ist es, was bei sexueller Aktivität wieder aufwacht. Genau deshalb können wir das Sexualleben untersuchen und auf die Art von Geburt und Vorgeburt zurückschauen, welche die Person durchgemacht hat. Wenn es somit ein Übermaß an Stimulierung gibt, kommt es zum sofortigen Stillstand oder Verschließen; genau dieselbe Reaktion wie ursprünglich. Sex hört abrupt auf, wenn ein gewisses Erregungsniveau erreicht wird.

Allgemein gesagt, können wir uns die Geburt ansehen und die Art von Sexualproblemen voraussagen, die in der Zukunft auftreten können. Es gibt viele andere Faktoren, die bei dieser Gleichung eine Rolle spielen, aber im Allgemeinen trifft es zu. Ich konzentriere mich jetzt auf das, was aus der Gleichung weggelassen wurde. Umgekehrt können wir sexuelles Verhalten betrachten und im Nachhinein sagen, welche Art pränatalen und geburtlichen Lebens jemand durchgemacht hat.

Weil sich Schmerz mit der identischen eingeprägten Kraft in sexuelles Verhalten einschleicht, scheint klar, dass es zu radikalen Veränderungen im Sexualverhalten kommt, wenn der Schmerz einmal gefühlt wird. Sex wird kein Kanal mehr sein für etwas anderes, sondern wird das sein, was er ist. Schmerz wird vom limbischen System nicht mehr in sexuelle Rituale umgeleitet, weil Schmerz kein Faktor mehr sein wird.

Während des Wiedererlebens beteiligt sich das gesamte physiologische System an der Auseinandersetzung. Es muss so sein; andernfalls ist es keine gültige, vollständige Erinnerung, und es ist nicht heilsam. Derselbe Blutdruck, dieselbe Herzfrequenz und dieselben vaskulären Prozesse treten auf. Auf diese Weise können wir das Trauma und seine Kraft messen. Wir können die Wirkungen abschätzen, die bestimmte Ereignisse auf Sex haben und ebenso auf anderes Verhalten. Normalerweise ist die Reise zu unseren Tiefen kein schwieriges Unterfangen, wenn wir in Betracht ziehen, dass gegenwärtige Gefühle eine Ausarbeitung früher Empfindungen sind.

Wenn wir dafür sorgen, dass das Gehirn seiner eigenen Evolution folgen kann, und bei der Therapie nicht zu viel reden oder zu viel Kontrolle ausüben, ist die Therapie in der Regel erfolgreich. Wenn wir auf intellektuelle Kontrolle und Diskussion auf der dritten Ebene verzichten, werden wir sehen, dass der Patient auf geordnete Weise in die Zeit zurückreist. Das wird geschehen, wenn wir keine Vorurteile oder anti-evolutionären Theorien darüber haben, was der Patient tun soll. Wir müssen dem Prozess trauen und vor allem müssen wir den Gefühlen trauen. Die Gefühle liegen in einer anderen Welt als der Diskurs in der konventionellen Therapie. Folge dem Gehirn. Folge der Evolution, weil die Evolution uns folgt. Das ist der Schlüssel zur erfolgreichen Therapie von Sexproblemen.

Ein Wort zum Schluss: Ja, es hilft tatsächlich, sich direkt mit Sexproblemen zu befassen, so wie man jemandem Spritzen oder Pillen geben würde, der unter Migräne leidet. Linderungsmittel sind manchmal sehr notwendig. Niemand sollte leiden, bis endgültige Heilung erreicht wird.

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Übersetzung: Ferdinand Wagner