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Dr. Arthur Janov:    Selbstmord und Erfolg          

Donnerstag, 18. Februar 2016, Suicide and Success, www.arthurjanov.com                                                       

 

                                                                                                          

Es gab mehrere Leute, die auf dem Gipfel des Erfolgs zu sein schienen und Selbstmord begingen. Was also geht hier vor? Die meisten von uns dachten, es sei erfüllend, einen Beruf zu wählen, ihm nachzugehen und erfolgreich zu sein, ein Experte zu werden und einen guten Namen zu erlangen. Wir würden uns wie ein Erfolgsmensch fühlen. Falsch. Wenn wir tief verwurzelten Liebesmangel haben, Zurückweisung, Gleichgültigkeit und fehlenden Körperkontakt am Lebensanfang, dann können wir uns nicht wie ein Erfolgsmensch fühlen.

In der Regel deshalb, weil Erfolg und Ruhm flüchtige Begriffe sind und nicht Teil unseres Systems. Erfolg ist kein Gefühl, Geliebt-Sein hingegen ist ein Gefühl. Ruhm ist die Vorstellung anderer Leute von Erfolg; in gewisser Weise ist es ihr Gefühl....Bewunderung, Erniedrigung, Wichtigkeit, etc. Und warum fühlt sich der Mensch - auch der vollkommenste - niemals befriedigt oder erfüllt? Weil alle seine Erfüllung und Bewunderung symbolisch ist; es ist nicht die Liebe, die er von früh an brauchte. Es überlagert diese Liebe, sitzt oben auf dem wirklichen Bedürfnis und hinterlässt ein emotionales Vakuum an seiner Stelle. Es ist der eingeprägte Schmerz, der nicht ausgelöscht werden kann, egal, welche Art von Erfolg es gibt. Und er treibt dem Menschen an, immer mehr zu wollen. Schließlich, auf dem Gipfel  des Ruhms angelangt, fühlt er sich noch immer unerfüllt und wie ein Versager; es gibt nichts mehr zu gewinnen, nichts mehr anzustreben. Er schaut sich alle seine Plakatwände an und fühlt sich leer. Was bedeutet das? "Ich weiß nicht, was ich noch tun könnte, um mich gut zu fühlen. Das Leben scheint leer. Es hat keinen Sinn." Selbstmord-Gedanken bahnen sich ihren Weg. Der Schmerz, der das alles angetrieben hat, ist noch immer lebendig und nagt im Inneren. Er sagt mit gedämpften Ton: "Du wirst nicht geliebt und das allein zählt. Du bist an dem gescheitert, was am wichtigsten ist; verehrt, bewundert, ermutigt, umarmt und geküsst zu werden." Das ist das Unwohlsein, das von etwas Fehlendem erzählt. "Dein ganzes Streben war, dich geliebt zu fühlen, und du wirst geliebt, aber nicht von den Leuten, die wirklich zählen."  Von Anfang an geliebt zu werden schafft beste Voraussetzungen für dein Leben; es lässt dich vertrauensvoll sein, aber nicht getrieben. Es bietet Kühnheit und Enthusiasmus und Lebensfreude. Es ermöglicht dir, es zu probieren, aber nie in Verzweiflung.

Symbolische Liebe muss sich ständig wiederholen, weil sie einfach nicht befriedigend sein kann. Warum? Weil sie auf der schmerzvollen Einprägung der Nicht-Liebe sitzt; diese Einprägung hat nur ein Ziel im Leben; genau so wiedererlebt zu werden, wie sie festgelegt worden war. Sie wird NIEMALS verschwinden, solange sie nicht wiedererlebt wird, und zwar vollständig und in ihrem ursprünglichen Zusammenhang. Sie kann verschwinden. Ihr Ziel ist eine ständige Warnung vor unerledigten Geschäften. Der Schmerz vom Lebensanfang muss in seiner ganzen Agonie gefühlt werden. Ja, es gibt eine Agonie aus tiefem, tiefem Schmerz, der in eine Prägung umgewandelt wurde, die zu einem ursprünglichen Teil von uns wird. Sie verwirrt uns jetzt, lenkt uns ab und beendet vor allem unsere Konzentration. Oh ja, sie deprimiert uns, weil wir mit einem Feind im Haus leben, den wir nicht abschütteln können. Erlebt mit uns und in uns; er greift nach seiner Befreiung; er will die Freiheit, den Schmerz zu erleben, ob du es glaubst oder nicht. Dennoch tun wir, was wir können, um ihn aufzuhalten. Kein Wunder, das Psychotherapien meistens auf Verdrängung, logische Erkenntnisse und Verstehen abzielen, aber nie auf tiefes Fühlen. Sie bieten ein wenig Erleichterung, mit der sich der Patient begnügt, aber keine Heilung. Was also fühlt die erfolgreiche Person? Sehr wenig: Niedergeschlagen, unglücklich und unbefriedigt. Sie hat keine andere Wahl als sich so zu fühlen, weil diese Gefühle nicht gnädig verschwinden werden. Die Einprägung kennt keine Gnade. Sie will volles Bewusstsein irgendwo im Inneren, auch wenn die oberste kortikale Ebene alles tut, um diese Prägung einzukerkern.Volles Bewusstsein bedeutet tiefes Fühlen plus höchstes Verstehen, was dieses Gefühl ist. Wir haben die Stühle auf der Titanic lange genug umgestellt. Wir müssen jetzt austauschen, um gesund zu werden, wir müssen Gefühle mit ihren Gedanken verknüpfen und uns selbst ganz machen. Ruhm schafft das nicht; ich habe genug Stars behandelt, um das zu wissen, und meine Patienten wissen das auch. Es gibt keinen Ersatz für die völlige Beseitigung der Einprägung. Keinen. Wenn du die Einprägung da lässt, lässt du die Qual und das Elend da.

Gehen wir das nochmals durch. Wenn es einen grundlegenden Mangel an Befriedigung gibt im frühen Leben, in der Schwangerschaft, bei der Geburt und in der frühen Kindheit, gibt es eine Einprägung fehlender Befriedigung. Die bleibt und wird tief im Gehirn eingebettet, nahezu unzugänglich. Aber das Gefühl ist unmerklich zugänglich: sich unbefriedigt fühlen. Wir schleppen es mit und es zerrt uns in ein Rennen um Erfüllung. Es muss symbolisch sein, weil wir uns mit Ersatz füllen, mit Symbolen, sobald die Einprägung eingebettet  und außer Reichweite ist. Wir können den wirklichen Mangel nicht kennen, wissen nicht, was es ist. Deshalb besteht das System später im Leben darauf wiederzuerleben. Es versteht wirkliche Integration und Befreiung. Es beendet den schrecklichen Drang, sich wie ein Erfolgsmensch zu fühlen und ersetzt ihn durch den Drang, die Dinge wieder ins rechte Lot zu bringen. Das ist ein bisschen entspannender.