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Primal Mind

 

Dr. Arthur Janov:   Ü     Über Ausbildung in Psychologie und Psychotherapie DDrängung als Hauptakteur                 

 Samstag, 11. September 2010, On Training in Psychology and Psychotherapy, www.arthurjanov.com                                                         

                                                                                                          

 

Ich habe zwei akademische Grade auf dem Fachgebiet ‚Psychische Gesundheit’. Trotz der ungefähr 12 Jahre Universität habe ich fast nichts darüber gelernt, wie man Therapie macht. Es war immer ein Verfahren auf gut Glück, nie eine Wissenschaft. Es war „Mach’, was sich gut anfühlt für dich“, was einer Lizenz gleichkommt, schrecklichen Mist zu fabrizieren. Weil Neurotiker sich wohlfühlen mit neurotischen Zielen und neurotischen Techniken; bestätigen kann das die kognitive Therapie, bei der Intellektualität auf das Niveau eines Prinzips gehoben wird. Mühsame Kopfarbeit, in eine Theorie umgesetzt. Die Ausbildung war nutzlos und bedeutungslos und konnte niemandem helfen. Warum? Weil es niemals eine Wissenschaft mit überprüfbaren Hypothesen war, die man unter die Lupe nehmen konnte, um Dinge zu entdecken, die unsere Techniken verbessern würden.

Ich erhielt auch eine Fachausbildung an der ‚Freud Klinik des Westens’, eine Art Meninger an der Westküste. Auch nutzlos. Ich habe kein einziges wissenschaftliches Prinzip gelernt und auch nicht, wie man die Therapie einem Wissenschaftstest unterzieht. Der Grund war, dass es keine Wissenschaft gab und noch immer nicht gibt – ausgenommen Primärtherapie. Wenn ich Ausbildung mache, wissen alle meine fortgeschrittenen Therapeuten augenblicklich, wann ein Fehler gemacht wurde; so präzise ist das. Und wir machen auch wissenschaftliche Ausbildung, sodass wir uns alle der wissenschaftlichen Methode bewusst sind. Unsere Ausbildung hört nie auf. Sie geht über Jahre, weil so viel zu lernen ist. Wir haben in Europa so viele Doppelblindstudien mit unseren Patienten gemacht; und was habe ich herausgefunden? Keiner interessiert sich dafür. Es ist das Syndrom: „Ich glaub’s nicht, auch wenn du es beweist.“

Ist das einfach Neid? Mag sein, aber wenn wir uns um Mittel für die Forschung bemühen, weist man uns immer als unwissenschaftlich ab.

Unsere Patienten sind immer unsere  wissenschaftlichen Versuchspersonen. Wir messen die Vitalfunktionen vor und nach jeder Sitzung. Ich habe früher in meinem Blog über ihre Bedeutung geschrieben. Wir haben das Immunsystem untersucht, die Gehirnfunktion, das Hemmungs-/Serotonin-System, und so fort (siehe Primal Healing für eine Diskussion von all dem). Aber für jene Seelenklempner, die vom Linkshirn dominiert werden, ist die größte Reise, die sie je unternehmen werden, die zum rechten Gehirn, und das können sie leider nicht. Niemand kann es freiwillig. Wir müssen die Schleusen zwischen den Hemispheren öffnen, und das braucht Zeit und ernsthafte wissenschaftliche Therapie.

Wir versuchen zu gewährleisten, das unsere Therapie mit der aktuellen Physiologie und Neurologie übereinstimmt; Sie werden sehen, dass ich viel darüber schreibe. Weil wir uns keine Therapie ausdenken können, die sich darüber hinwegsetzt, wie das Gehirn funktioniert; wenn man zum Beispiel glaubt, dass Gedanken Gefühle ändern, wenngleich gerade das Gegenteil der Fall ist. Wir haben in etwa eine Million Dollar für wissenschaftliche Zwecke ausgegeben, wobei wir oft Außenstehende benutzt haben, die keine Ahnung haben, was wir machen. Aber ich bin überzeugt, dass man unsere Therapie allein durch diese Fakten nicht „beweisen“ kann. Sie muss dich in die Magengrube treffen. Und wen trifft sie dorthin? Diejenigen, die leiden, die ihren Gefühlen nahe sind. Jene, die es nicht schaffen, die ständig deprimiert und ängstlich sind. Sie verstehen meine Theorie auf Anhieb und kommen aus 26 Ländern zur Therapie. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Buch von einem kraushaarigen Seelenklempner lesen und 10.000 Meilen reisen würde, um Hilfe zu bekommen. Aber sie tun es, und sie bekommen Hilfe. Sie kümmern sich nicht um Statistik. Sie kümmern sich um ihre Gefühle und ihr Elend. Wir sind die Therapie der letzten Zuflucht, eine Therapie des Leids, in der Patienten endlich ihr Leid herauslassen können.

Nahezu jede gegenwärtige Therapie wirkt darauf hin, Gefühle zurückdrängen. Ist das nicht merkwürdig? Gefühle müssen ausgedrückt werden, und man stößt sie zurück. Das Ergebnis ist noch mehr Depression und Angst, noch mehr Mit-anderen-nicht-zurechtkommen, noch mehr Dysfunktion und später noch mehr ernste Krankheit. Und schlimmer noch, sie haben die Statistiken, um ihre Sache zu beweisen, weil es alles innerhalb der Definition dessen liegt, was Erfolg ist. Und wenn sie sagen „bessere Sozialanpassung“ und selbstdefiniertes „Sich-besser-fühlen“, dann ist das unschlagbar. Weil nichts so grenzenlos ist wie Selbsttäuschung.

 

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Übersetzung: Ferdinand Wagner