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Dr. Arthur Janov:    Über Depression (4)                 

Freitag, 3. Dezembert 2010, On Depression, www.arthurjanov.com                                                         

                                                                                                          

Im folgenden Brief an meine Blogseite ging es anscheinend um Depression, aber ich fand darin etwas, das für mich verblüffend ist. Es klingt auch verrückt, ist es aber nicht. Sie ist um einen Zoll größer geworden mit dreiundzwanzig Jahren. Und sie hat keine große Sache daraus gemacht. „Ich bin gewachsen“, und dann wechselte sie zu anderen Dingen. Wachstum geschieht ziemlich oft, und die Patienten scheinen ihm immer mit dieser „belle indifference“ zu begegnen. Als werde sie erwartet und sei keine Überraschung. Ich glaube, bei der ganzen anderen emotionalen Besserung ist das vielleicht keine große Sache, aber für mich ist es das, weil es bedeutet, wenn du Verdrängung ungeschehen machst, dann machst du nicht nur ein „psychisches“ Phänomen ungeschehen sondern ebenso ein ganz und gar physiologisches. Und es bedeutet auch, dass die Patientin sehr tief gegangen ist und einige Hormone normalisiert hat, einschließlich derer, die das Wachstum kontrollieren. Wie sonst könnte man das erklären. Die Fußgröße meiner Frau nahm um eine Nummer zu, und sie konnte es jahrelang nicht verstehen, bis wir allmählich viele andere Berichte über Wachstum erhielten. Und ich habe festgestellt, dass manchmal nach dem vierzigsten Lebensjahr Weisheitszähne wachsen. Ich habe darüber nie viel doziert, um Patienten und andere nicht zu beeinflussen, aber mir scheint das eine gewaltige Sache zu sein, nicht wegen des Wachstums, sondern weil es bedeutet, dass im Gesamtystem so viel befreit worden ist. Ja, und somit würde ich erwarten, dass die Depression sich abschwächt oder beseitigt wird. Es ist alles aus einem Stück. Das System ist eine einzige integrierte Angelegenheit, so dass Änderung auf dem einen Gebiet ebenso Änderung auf vielen anderen bedeutet. Ja, es ist großartig, dass die Depression geheilt wurde, aber der „Beweis“ dafür findet sich im Knochenwachstum, und....und...in der Veränderung der Gehirnwellen, Vitalfunktionen, etc.

 

 

Wenn ich darauf zurückblicke, wie ich zu Beginn der Therapie war, kann ich sehen, wie viele Dinge sich verändert haben. Zunächst einmal bin ich um mehr als einen Zoll gewachsen seit meinem dreiundzwanzigsten Geburtstag. Ich bin im Allgemeinen viel entspannter, kann ausgehen und mein Leben ohne zu viel Angst leben. Ich bin nicht annähernd so scheu wie früher und ich lasse nicht zu, dass mich jemand herumschubst oder ausnutzt. Ich bin spontaner, folge meinen Impulsen, wann immer ich das Gefühl habe, dass es sicher und angemessen ist. Ich erlebe Perioden voller Optimismus und Begeisterung fürs Leben, in denen es scheint, dass mir eine zweite Kindheit geschenkt worden ist. In diesen Zeiten fühlt sich das Leben für mich einfach gut an, sei es, dass ich Sport treibe, Musik höre oder selbst spiele,  mir einen Film anschaue, mit Freunden rede oder einfach ruhig dasitze und nichts mache. Ich habe mehr Freunde, und ich kann ich selbst sein in ihrer Gegenwart, anstatt zu versuchen, sie zu beeindrucken oder sie dazu zu bewegen, dass sie mich mögen. Ich habe in Stress-Situationen weniger Angst, und ich treffe bessere Entscheidungen bei der Lösung von Problemen. Mein Gedächtnis hat sich verbessert; ich bin nicht mehr so sehr darauf aus, mich zu schonen. Ich bin weniger „kopflastig“ und nehme bewusster wahr, was um mich herum vor sich geht. (Die Leute dachten, ich sei dumm, weil sie in der Regel etwas zwei oder drei Mal sagen mussten, bevor ich sie gehört habe.) Meine Koordination beim Pianospiel ist besser geworden, obwohl ich nahezu keine Praxis habe, und ich habe entdeckt, dass ich ein ordentliches Talent für Ballsportarten habe. Ich kann jetzt für mich selbst kochen, was eine ganz neue und aufregende Entdeckung ist, denn auf diesem Gebiet hatte ich eine gewaltige Blockade. Das Essen schmeckt auch  anders. Vor der Therapie musste ich mein Essen mit Kräutern und Gewürzen ‚ersticken’, um ihm Geschmack zu geben, während jetzt eine kleine Menge lange vorhält. Ab und an bin ich deprimiert, aber auch wenn ich mich wirklich schlecht fühle, weiß ich, dass es nur ein Gefühl ist, und ich denke nicht an Selbstmord. Ich nehme mein Ausagieren wahr und halte es im Zaum. Wenn zum Beispiel mein Job schlecht läuft, ertappe ich mich dabei, dass ich von dem Gedanken besessen bin, in der Lotterie zu gewinnen. Wenn es mir schlecht geht, neige ich dazu, von Therapeut zu Therapeut zu springen, weil ich Angst habe bei ein und derselben Person zu bleiben für den Fall, dass sie oder er ungeduldig wird mit mir. Gegen meine Ängste anzugehen ist mein Weg zu den Gefühlen. Tief drinnen verspüre ich ein Gefühl, dass alles gut wird mit mir, was ich vor ein paar Jahren nie hätte sagen können.

 

Schlussendlich würde ich sagen, dass Depression ein Zustand emotionaler Flachheit ist, der sich aus einem starken Abwehrsystem ergibt. Unterhalb des vollen Bewusstseins gibt es eine Stimme, die sich darüber beklagt, dass alles hoffnungslos sei und dass das Leben keinen Sinn hat, aber man hört sie nie, weil die Abwehr Überstunden leistet. Wie heilt man Depression? Die Platitüden, mit denen mich meine Eltern fütterten, haben bestimmt nichts Gutes bewirkt, und ich vermute, dass die meisten Selbsthilfe-Systeme die „Stimme des Jüngsten Gerichts“ irgendwo ins Dunkle verstoßen, aber letztendlich richtet sie dort genauso viel Schaden an. Die einzigen wirklichen Veränderungen in meinem Leben haben nach dem Fühlen, nach der Verknüpfung mit dem Ursprung meines Schmerzes stattgefunden. Die Stimme wird jetzt zum Teil gehört; man fühlt sich nicht traurig ohne offensichtlichen Grund sondern aus einem Grund, den man kennt und fühlt. Diese zweite Kindheit ist ein großes Geschenk. Allen, die das lesen und weit davon entfernt sind, Therapie machen zu können, möchte ich sagen, dass es wirklich Hoffnung gibt. Vor allem, findet Freunde, die euch so akzeptieren, wie ihr seid, und geht pfleglich mit euch selbst um. Ihr verdient das Beste.

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Übersetzung:  Ferdinand Wagner