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Dr. Arthur Janov:    Über Exorzismus                 

Dienstag, 16. November 2010, On Exorcism, www.arthurjanov.com                                                        

                                                                                                          

In der N. Y. Times steht ein Artikel (13. Nov. 2010, „For Catholics, Interest in Exorcism is Revived”) über einen ernsten Trend in der Katholischen Kirche, der am Ende gar nicht so katholisch ist und obendrein nicht ganz gesund. Bischöfe treffen sich, um zu erörtern, wie man mehr Priester zur Ausführung von Exorzismus bereitstellen kann, weil die Nachfrage so hoch ist. Der Klerus sagt, dass sie Hilfe brauchen, um zwischen den Leuten zu unterscheiden, die behaupten besessen zu sein und vielleicht Psychotherapie brauchen, und solchen Leuten, die behaupten besessen zu sein und normal oder seriös sind und die Hilfe der Kirche brauchen.

 

Die Geistlichen glauben, dass nicht jeder, der einen Exorzismus will, wirklich einen braucht: „Es hat nur einen Zweck in solchen Fällen, in denen der Teufel beteiligt ist.“ Ich vermute, sie meinen Fälle, bei denen jemand vom Teufel „besessen“ ist. Falls Sie das nun für verrückt halten, denken Sie daran, dass so etwa 80 Prozent der Bevölkerung an den Teufel glauben.

 

Lassen Sie mich das also zurechtrücken. Jene, die von Himmel und Hölle besessen sind, werden über diejenigen entscheiden, die vom Teufel besessen sind. Nichts von all dem hat irgendjemand jemals gesehen, gefühlt oder berührt. Es ist alles sozial sanktionierte Selbsttäuschung; definitiv alles. Aber verurteilen wir das nicht voreilig. Ich glaube, die Leute wissen, dass etwas Dunkles und Schmerzvolles da drin ist, aber sie wissen einfach nicht, was es ist. Somit rotten sie es symbolisch aus, wenn die Gläubigen schreien und brüllen, sich winden und wälzen und alles Mögliche machen, außer das alles in Zusammenhang zu bringen, wodurch sie es wirklich loswerden würden. Es sind ganz reale schlimme Dinge passiert, aber es ist nicht der Teufel; es ist Schmerz, und der ist tatsächlich da drin und muss raus.

 

Wir dürfen das nicht zu schnell verurteilen, weil es nur wenig über das hinausgeht, was die Elektroschock-Therapeuten und die Psychochirurgen auch machen. Sie schlagen und wuchten es, schneiden’s heraus, machen alles, außer zu lösen, was „es“ ist. Wenn sie alle, Geistliche und Ärzte, wüssten, was da unten liegt, gäbe es keine Chirurgie, keinen Schock oder Exorzismus. Sie alle unterstellen eine geheimnisvolle dunkle Macht, die wie das „Es“ von Freud unergründlich und unveränderlich ist und lebenslang andauert.

 

Und ganz unbescheiden, wenn sie alle wüssten, dass es einen Weg gibt, ohne Schock und/oder Chirurgie sicher in die Tiefe des Gehirn zu gelangen, dann könnten sie das tun.

 

Und wie um alles in der Welt kann ein Kirchenmann entscheiden, ob ein Besessener psychisch gesund ist oder nicht gesund? Besessen bedeutet in meinem Buch verrückt. Es ist, wie ich behauptet habe, eine Selbsttäuschung, etwas, das nur im Kopf der Person existiert. Aber wenn man natürlich glaubt, dass er/sie/es/sie existieren, dann hat man keine andere Wahl, als der Besessenheit zuzustimmen. Und weil wir gerade dabei sind, ich vermute, dass diese Kleriker, die Kinder missbrauchen, vielleicht besessen sind. Wovon oder von wem? Von ihrer Kindheit und ihren Eltern. Sie scheinen hilflos gegenüber ihrem kriminellen Handeln, mit dem sie Kinder zerstören. Ihr Ausweg: Schieben wir es auf den Teufel. Wenn man es mit „Engeln und Dämonen“ zu tun hat, ist man definitiv nicht in der Realität, außer in der, die man sich selbst fabriziert. Man bezeichnet das als einvernehmliche Bestätigung; ich glaube es, weil du es glaubst, und weil wir alle es glauben, muss es wahr sein. Wunderbar!

 

Die Priester behaupten, dass sie heilen können, nicht weil sie die Macht dazu haben; die Macht kommt von Jesus. Also muss man jetzt an eine weitere Abstraktion glauben.

 

Nun, Sie sagen, die Auffassung vom Teufel existiert seit Tausenden von Jahren, also muss da irgendwo ein Stück Wahrheit sein. Ja, die Wahrheit liegt in den sehr frühen Einprägungen, die im Unbewussten existieren, uns unaufhörlich antreiben und denen wir notgedrungen einen Namen geben müssen – der Teufel. Ja, es gibt das Böse, von Menschen getan, und wenn wir nicht wissen, dass Schmerz uns zur Grausamkeit treibt, dass gefühllose Menschen so schlimm zu anderen sein können, dann können wir das nicht verstehen.

 

Ich verstehe, dass die Kirche Ausbildung im Exorzismus macht, weil es viele Seelenklempner gibt, die Ausbildung in Primärtherapie machen, obgleich sie keine Ahnung haben, was sie ist, was die Wissenschaft dahinter ist; wo alles, was man tun muss, schreien ist, gegen die Wände schlagen und jammern. Also machen diese Psychotherapeuten im Namen der Wissenschaft und Psychologie nichts anderes als Exorzismus.

 

Ich habe Filme über Exorzismus gesehen, und ich habe Filme über die Holy Rollers gesehen, die sich auf dem Boden wälzen und schreien und brüllen und sich dann hinterher besser fühlen. Ich nenne das Abreaktion. Es ist Primal ohne das Fühlen und ohne die Verknüpfung; aber es ist nahe dran. Ich habe Patienten gesehen, die „in fremden Zungen“ reden, die in einem fort sinnloses Zeug plappern, die aber Erleichterung erleben. Die Kirche sagt, dass diejenigen, die das können, zweifelsohne besessen sind. In meinen Gruppen lasse ich Patienten auf die Knie fallen, sich ganz nahe sein von Angesicht zu Angesicht und plappern, aber ich will, dass sie dadurch ohne Worte ihre realen Gefühle ausdrücken. Innerhalb von Minuten gibt es Tränen und Schluchzen. Es ist eine sehr gute Technik. Wenn das misslingt, lasse ich die Atheisten auf die Knie fallen und zu Gott beten um das, was sie wirklich wollen; wieder Tränen und Schluchzen......und wirkliche Bedürfnisse und wirklicher Schmerz. Sie sagen, der Versuchung nachzugeben sei gewöhnlich das Werk des Teufels. Es ist nicht der Teufel, es ist reines ungelöstes Bedürfnis und Schmerz. Wenn meine Patienten das alles fühlen, verspüren sie keinen Drang mehr, sich der Versuchung hinzugeben.

 

All das, so behauptet die Kirche, bringt die alten Kirchenwerte zurück und, wie ich vermute, „geistig-psychische Gesundheit.“ Verzeihung, wenn ich widerspreche.

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Übersetzung: Ferdinand Wagner