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Primal Mind

 

Dr. Arthur Janov:   ÜÜber Verdrängung als Hauptakteur erdrängung als Hauptakteur                 

Donnerstag, 11. November 2010, On Repression as the Mastergland, www.arthurjanov.com                                                         

                                                                                                          

Ich habe ausführlich über Verdrängung und ihre lebenslangen Schadwirkungen geschrieben. Je mehr ich vom Leben sehe, umso mehr verstehe ich, wie schädlich Verdrängung sein kann. Zuallererst müssen wir begreifen, dass es für nahezu jeden Schmerz die angemessene Verdrängung gibt. Und je früher und entlegener die Schmerzen sind, umso größer ist das Maß der Verdrängung. Diese Schmerzen rufen ihren Antagonisten ins Leben. Und je stärker die Verdrängung ist, umso wahrscheinlicher kommt es zu Krankheit, Symptomen und verringerter Lebenserwartung. Es ist nicht so sehr der Schmerz als die Folgen seiner Verdrängung. Wir setzen einen Deckel auf eine enorme Kraft; eine Kraft, die Ausdruck verlangt. Weil die Schmerzvalenz immer größer wird, wenn wir die Evolutionskette hinabsteigen, kann man spätere Krankheitsfälle unseren frühesten Traumen zuschreiben. Denken Sie wieder daran, dass fehlende Bedürfniserfüllung bereits seit unserer Zeit im Mutterleib ein Trauma begründet. Es muss nicht offensichtlich sein; in der Tat sind es die weniger offensichtlichen Traumen, welche die meisten Probleme verursachen. Bislang werden sie leicht übersehen.

 

Je mehr es bei dem Erlebnis um Leben oder Tod geht, umso schwerer ist die Verdrängungslast; und das kann zu einem gleichermaßen katastrophalen Leiden auf Leben und Tod führen. Das ist der Grund, warum ich glaube, dass Traumen im Mutterleib und bei der Geburt intensiv zu späterer Krankheit beitragen. Das ist nicht einfach eine aus der Luft gegriffene Glaubensmeinung; es gründet auf jahrzehntelanger Beobachtung an Patienten aus vielen verschiedenen Ländern der Welt, ganz zu schweigen von einer Menge Forschungsmaterial, das damit zusammenhängt.

 

Es gibt eine zunehmende Zahl von Beweisen, die frühe (präverbale) Traumen mit späterer Krankheit in Zusammenhang bringen. In meinem Buch Life Before Birth zitiere ich Dutzende wissenschaftlicher Studien, die darauf hinweisen, dass Herzkrankheit, Schlaganfall und Krebs ihren Ursprung während der Zeit haben, in der wir von unseren Müttern ausgetragen werden. Die Forscher weisen nicht auf Verdrängung hin; es sind Korrelations-Studien  --  so viele Traumen bei der Geburt, so groß die Wahrscheinlichkeit für diese oder jene Krankheit. Das sind statistische Wahrheiten. Wir sind auf ein bisschen mehr aus; auf biologische Wahrheiten. Wir wollen erklären, warum diese Symptome später auftreten. Welche Methode könnte besser sein, als das Unbewusste des Patienten zu sondieren?

 

Was wir sehen, ist, dass die Reaktion umso übertriebener/unangemessener ist, je früher das Trauma stattfindet. Dass Probleme bei der schwangeren Mutter oft zu einem kranken Kind führen – Nierenkrankheit, Migränen, Epilepsie, Unfähigkeit stillzusitzen, Ängstlichkeit, etc. Dass diese Leiden auch von abweichendem /neurotischem Verhalten begleitet werden, von hohem Agitationsniveau, Konzentrationsmangel, schlechtem Schlaf und vielen anderen Überlastungszeichen. Massive Verdrängung kann meiner Ansicht nach zu erschütternder Krankheit wie Krebs führen. Ich weiß, dass sie unser Leben verkürzen wird.

 

OK, soweit stimmen wir alle zu. Was jetzt? Wir müssen die Verdrängung mindern. Wie machen wir das? Wir attackieren den Schmerz, das heißt, genau genommen „attackieren“ wir ihn nicht. Wir fühlen ihn, so banal das auch klingt. So leicht geht das nicht, weil das Abwehrsystem und die Verdrängung es nicht zulassen werden. Wir müssen mit Evolution in umgekehrter Reihenfolge beginnen; wir fühlen kleine gegenwärtige Schmerzen, begeben uns zur Kindheit, dann in die Kleinkindzeit, dann zur Geburt und schließlich in die Schwangerschaftszeit. Das kann man nicht von heute auf morgen machen. Es dauert zuallermindest viele Monate. Aber wir können nicht das Gesetz der Natur und Evolution außer Kraft setzen und dabei hoffen, Patienten zur Gesundheit zu verhelfen. Somit ist Rebirthing aus dem Spiel, Punkt! Genau so erzwungenes Weinen oder Schreien oder Gegen-die Wand-Schlagen. Tatsächlich ist alles Erzwungene falsch. Es ist ein sanfter Prozess, wenn man es richtig macht; niemand wird in großen Schmerz gestürzt. Wir wissen, dass Verdrängung automatisch einsetzt, weil das System das frühe Trauma nicht akzeptieren und integrieren konnte. Wenn das System reifer ist, können wir mehr Schmerz ertragen, aber wer entscheidet, wann und wo? Das biologische System des Patienten natürlich.

 

Das ist wunderbar! Nichts auszuknobeln; nichts vorauszusehen, kein besonderes Ziel, das wir den Patienten setzen. Sie setzen sich ihre eigenen Ziele;  und ihre Gefühle machen das für sie. Sie fühlen einen Schmerz, er löst einen anderen verwandten Schmerz aus, und so fort. Auf Französisch nennt man es ein ‚Engrenage’ (Getriebe). Es braucht Zeit, weil wir bei den schwersten Schmerzen zuletzt ankommen, und deshalb lösen sich die hartnäckigsten Symptome oder Verhaltensabweichungen zuletzt auf; denn es sind die ganz frühen Traumen, welche die dauerhaftesten Auswirkungen mit sich tragen. Wir können diese Auswirkung über Gehirnwellen und Vitalfunktionen messen, und ebenso über die Biochemie. Wir müssen nicht raten, was die Auswirkung betrifft; sie findet sich direkt in den Vitalwerten. Wir müssen nur wissen, wie wir sie interpretieren müssen. Was also führt zu Selbstmordneigungen? Wenn wir ein Wiedererlebnis zu einem Geburtstrauma oder frühen Kindheitstrauma sehen, wissen wir es. Und der Patient berichtet uns von seiner (des Traumas) Kraft.

 

Bei biologischen Wahrheiten ist soweit alles klar. Bei statistischen Wahrheiten müssen wir eine Kontrollgruppe finden und raffinierte Berechnungen anstellen. Und was finden wir? Eine Korrelation zwischen dieser und jener Faktenreihe. Wir müssen nicht wirklich viel denken, weil die Zahlen sagen, was wir wissen wollen. Es gibt einen Unterschied zwischen statistischem Rechnen und wirklichem Denken.

 

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Übersetzung: Ferdinand Wagner