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Dr. Arthur Janov:    Über den Freiheitsverlust                 

Montag, 15. November 2010, On the Loss of Freedom, www.arthurjanov.com                                                         

                                                                                                          

Das Kennzeichen der Neurose ist für mich der Verlust der Freiheit; und die Unmöglichkeit, sie zurück zu gewinnen. Weil unerfüllte Bedürfnisse uns besessen und zwanghaft machen und uns keine Wahl lassen. Also müssen wir trinken, Drogen nehmen, so hart arbeiten, so viel essen, so ruhelos sein,.....füllen Sie die Lücken aus. Wir haben unsere Wahlmöglichkeiten vermindert und unsere Perspektiven eingeengt. Wir führen ein oberflächlicheres,  beschränkteres Leben; ein Leben ohne Fühlen, weil das Fühlen zusammen mit unseren Grundbefürfnissen begraben worden ist.

Wir haben weiterhin gescheiterte Beziehungen, Kurzverhältnisse, abgestumpfte Liebesaffären, weil unser Leben so begonnen hat: unbeständige Liebe, sporadische Zuneigung, Eltern, die uns verlassen haben. Wir sind Gefangene dieser Verhaltensmuster, weil wir keine Ahnung haben, warum das alles so ist. Wir sind wie Automaten; agieren gedankenlos ein sich ständig wiederholendes Verhalten aus, das wir absolut gar nicht kontrollieren können. Es kontrolliert uns. Bedürfnis, versagtes Bedürfnis, das im unaufhörlichen Streben nach Erfüllung fortbesteht. Immer symbolisch, weil es für Liebe von „ihnen“ viel zu spät ist. Also bekommen wir sie von Professoren, Chefs, Partnern, Meistern, Ehefrauen, Ehemännern, Freunden. Aber wir bekommen sie nie und gehen dieser Aufgabe bis zum Überdruss nach. Wir bekommen diese Liebe nicht, weil das kritische Fenster geschlossen ist; es ist vorbei, gegessen, erledigt. Es ist nicht mehr möglich, diese Liebe zu bekommen; die Liebe als dieses kleine Baby. Das ist der Grund, warum einige Frauen die ganze Zeit Sex wollen. Sie brauchen den Körperkontakt wie dieses kleine Baby. Es ist der Grund, warum einige von uns immer wieder nach Anerkennung suchen, indem sie versuchen, jenen tyrannischen, ablehnenden Elternteil dazu zu bewegen, das Gute in uns zu sehen und vor allem einen einfachen aber schwer zu fassenden Satz zu sagen: „Du bist wirklich gut.“ Dieser einfache Satz könnte eine lebenslange Suche nach Anerkennung vermeiden; aber, ach nein! Zuerst lassen wir uns auf diese sehr kritischen Leute ein, und dann versuchen wir, sie zustimmend zu machen. Andernfalls wär’s zu leicht. Wir als Neurotiker haben es nie geradewegs auf Liebe abgesehen. Wir nehmen den elterlichen Weg- umständlich; wir erschaffen unsere Kindheit wieder und streben dann nach Liebe. Oh je, oh je. Wir sind Gefangene des Schmerzes. Wir schaffen unser Gefängnis und verbringen dann unser Leben damit, da raus zu kommen.

Wir reisen um die ganze Welt und versuchen, das wirkliche Zuhause zu finden, das wir nie hatten. Wir idealisieren die Frauen, denen wir begegnen, und sehen nicht, wer sie wirklich sind, bis über lange Zeit langsam die Realität einsetzt. Noch eine Scheidung; eingesperrt in Scheidung und gescheiterten Beziehungen. Wenn wir nur Zugang zu unseren Gefühlen hätten, könnten wir uns auf vernünftige, normale, nicht-neurotische Leute einlassen, und wir könnten bleiben und zusammen alt werden. Wir könnten unseren Partnern Liebe geben und könnten ihre Liebe fühlen. Für gewöhnlich ist das Gegenteil der Fall; wir wollen keine wirkliche Liebe, wir wollen eine Mutter oder einen Vater, jemand, die oder der sich um uns kümmert, uns verwöhnt und unseren Launen nachgibt. Wenn es kein altes eingeprägtes Bedürfnis gibt, können wir mit dem Ausagieren der Vergangenheit aufhören und den Versuch beenden, etwas aus unserer Geschichte zu bekommen, und wir können die Liebe annehmen, die es jetzt vielleicht gibt.

Wenn wir völlig narzisstisch sind, wollen wir vielleicht totale Anerkennung,  totale Nachsicht und totale Einwilligung in unsere Wünsche. Das lässt sich nicht immer leicht finden, aber Menschen, die völlig von sich selbst eingenommen sind, geben den Versuch nie auf. Und sie verwerfen das bisschen Liebe, das es für sie gibt. Sie suchen nach Vergangenheitsliebe für den Kampf, den Kampf, immer mehr von dem zu bekommen, was nicht mehr existiert.

  

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Übersetzung: Ferdinand Wagner