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Dr. Arthur Janov:    Was ist Primärtherapie? 

Donnerstag, 21. November 2013, What is Primal Therapy?,  www.arthurjanov.com                                                       

                                                                                                          

  Ich habe mich zu diesem Artikel entschlossen, weil wir kürzlich Patienten-Zugänge von sogenannten Primärtherapeuten hatten, und diese Patienten sind ohne Ausnahme geschädigt worden. Patienten gehen zu Fachleuten mit all den Qualifikationen; diese Fachleute werben für Primärtherapie und behaupten zu wissen, wie man sie durchführt. Da es Jahre dauert sie zu erlernen, leihen sie sich einfach den Begriff "Primal" aus und benutzen ihn, um zukünftige Patienten zu täuschen. Manchmal sind es ehemalige Patienten, die glauben, sie wüssten genug. Meistens sind es Fremde, die den "Urschrei" lesen und daraufhin beschließen, eine Praxis zu eröffnen. Wir jedenfalls haben an die 47 Jahre damit verbracht, die Theorie und Therapie zu verfeinern und sie mit Biochemie und Neurologie zu verbinden, um sie so wissenschaftlich und effizient wie möglich zu machen. Auf jeden Fall ist es eine komplexe Angelegenheit, die Wissenschaft als ihre Grundlage beinhaltet.


Diese Woche gibt es einen Fall, der mir die Haare zu Berge stehen lässt. In Europa gibt es mehrere Primärzentren, die behaupten, sie würden Primärtherapie praktizieren. Ein Zentrum nahm eine Frau, die sich etwas hoffungslos fühlte, ließ sie abrupt auf die erste Ebene fallen und trieb sie geradewegs in parasympathische Überlastung und dann in tiefe Depression. Sie verließ dieses Zentrum in Stücken, und niemand dort hatte eine Ahnung, was vor sich ging oder was man da machen könnte. Dann sagten sie: "Wir können nichts mehr für dich tun."


Es geschieht sehr oft, dass sie die Patienten für viel zu viel Schmerz öffnen, sie quasi überfluten und dann nicht wissen, was zu tun ist. Allerlei Irrwege sind möglich und es gibt allerlei skrupellose Individuen, die unseren Begriff "Primal" benutzen, um andere, die leiden, zu täuschen. Der Beweis liegt uns jeden Tag vor in Form der Wracks, die von sogenannten Primärtherapeuten zu uns kommen.


Ich weiß, dass es oft praktischer ist, zu jemandem in der Nähe zu gehen, besonders wenn man im Ausland lebt, aber es ist Ihr Leben, dass Sie beeinträchtigen. Ich kenne bis jetzt keinen dieser Pseudo-Therapeuten, die Forschung betreiben, ihre Arbeit weiter im Auge behalten oder die vitalen Körperfunktionen der Patienten untersuchen. Auf folgende Punkte muss man achten:


1. Der ganze Grund für Primärtherapie war, der 50-Minuten-Stunde entgegen zu wirken und Patienten so lange wie nötig bleiben zu lassen. Also ist das erste Kennzeichen der Pseudo-Therapeuten, dass sie die 1-Stunden-Sitzung praktizieren. Das vereitelt die ganze Idee, dass Gefühle die Therapie leiten. Es darf dafür keinen Zeitplan geben.


2. Die Pseudo-Therapeuten eliminieren Gruppentherapie, die wesentlich ist, um Patienten zusammenzubringen, um über Gefühle zu lernen und aufeinander einzuwirken und um zu sehen, wie Gefühle ausschauen. Patienten helfen einander in der Gruppe und lernen dann, wie man als Primal-Buddy fungiert und die Therapie untereinander fortführt.


3. Weil sie der Evolution nicht folgen, tauchen sie den Patienten oft in tiefe Gefühle, für die er/sie nicht bereit ist. Das Ergebnis ist Überlastung und Überflutung des Gehirns mit zu vielen oder zu schweren Gefühlen. Oder der Patient ist bereit, tiefer zu gehen, wird aber dorthin nicht gebracht, weil der Therapeut keine Ahnung hat, wie man es macht.


4. Pseudo-Therapeuten dirigieren und kontrollieren immer die Patienten. Weisen sie an, was sie sagen sollen und wie sie es sagen sollen, und zwingen sie sogar, Worte zu benutzen, wenn zu den Gefühlen gar keine Worte gehören. Somit erzeugen sie eine Melange (Gemisch), welche die Patienten um so mehr verwirrt.


5. Sie sagen den Patienten, wann und wie oft sie kommen sollen und wie lange sie bleiben sollen, was ja eigentlich der Zuständigkeitsbereich der Patienten und nicht des Arztes sein sollte. Oh ja, lassen Sie sich nicht zum Narren halten, denn viele dieser Therapeuten können eine Lizenz haben, sind Doktoren mit der gesamten Ausstaffierung von Fachleuten. Alles, was ihnen fehlt, ist Wissen und ein wenig Bescheidenheit. Sie kennen nie ihre Grenzen, und sie nehmen an, wenn wir es tun, warum sollten sie es nicht können? Das "Wir" ist in diesem Fall mein Team und ich, die wir unerbittlich unsere Arbeit verfeinern.


6. Die Pseudo-Therapeuten haben keine medizinischen Kontrollen, so dass sie vielleicht etwas Neurologisches als etwas Psychologisches behandeln; der Patient leidet. Sie bräuchten einen umfangreichen Hintergrund, um zu klären, was mit dem Patienten nicht stimmt, bevor sie mit der Therapie beginnen. Ich frage mich, wie viele von ihnen tatsächlich dieses Wissen haben. Wir hatten kürzlich einen Fall von Gehirnschädigung, der vorher als etwas Psychisches behandelt worden war und als Folge ein geschädigtes Individuum hinterließ. Die menschliche Psyche ist nichts für Dilettanten. Einmal entgleist brauchen Patienten vielleicht Jahre, um zu kompensieren, was ihnen angetan wurde.


7. Es gibt eine endlose Zahl möglicher Abwege und Entgleisungen. Oft bewerkstelligt von wohlwollenden Therapeuten und ebenso oft von denen, die kommerziellen Nutzen darin sehen. Primärtherapie ist der "Duft des Monats" geworden. Ich wäre sehr gerne demokratisch und würde den Weg für andere Therapeuten offen halten, aber unsere Erfahrungen waren bis jetzt enttäuschend. Es gibt vielleicht einige, die sich für ihre Patienten einsetzen und ihnen ein gutes Umfeld zum Fühlen geben, aber ich habe es nicht gesehen.


8. Die Gefahr liegt bei denen, die ein wenig Ausbildung hatten, zu früh gingen und Schilder aushängen, die sagen: "von Janov ausgebildet." Stimmt, sie hatten Ausbildung, aber Primärtherapie kann bei Therapeuten mit ungenügendem Training gefährlich sein. Das trifft besonders dann zu, wenn kein Wissen vorhanden ist, wie das Gehirn funktioniert oder funktionieren sollte. Ich sage oft, dass wir Neurose nicht weglieben können. Wie gut auch immer die Absichten sein mögen - es gilt, eine präzise Wissenschaft zu erlernen.


9. Meines Wissens schreibt und publiziert nicht einer dieser sogenannten Primärmenschen, um die Wissenschaft der Therapie voranzubringen. Ihr Interesse ist nicht der Patient; es ist kommerziell. Es ist zum Geschäft geworden und keine Methode mehr zur Wiederherstellung psychischer Gesundheit. Wir hatten kürzlich mehrere von Fachleuten geprüfte Artikel. Einen auf dem Weltkongress der Psychiatrie und einen anderen, der von ihnen zur Veröffentlichung zugelassen wurde. Und es gibt weitere. Ich schreibe Bücher, welche die Therapie erklären und die zugrunde liegende Wissenschaft (in 26 Sprachen). Dr. France Janov ist jetzt dabei, das legacy program (Vermächtnis-Programm) auf DVD fertigzustellen, das im Detail erklärt, was wir machen. Es ist kein Geheimnis. Wir haben kein Verlangen, es für uns zu behalten, aber wir wissen, dass ein hohes Ausbildungsniveau nötig ist, und wir wollen nicht, dass Therapeuten Abkürzungen nehmen, die das Leben von Patienten gefährden. Es wären Abkürzungen auf Kosten der Gesundheit des Patienten.


10. Primärtherapie sollte man nicht allein praktizieren. In uns allen gibt es Gefühle, die das Urteilsvermögen aus der Bahn bringen können, wenn sie hochkommen. Wir brauchen andere um uns herum, um sicher zu stellen, dass wir keine systematischen Fehler an Patienten begehen. Therapeuten kontrollieren einander. Es gibt fest eingeplante Personal-Meetings, um zu gewährleisten, dass alle Patienten angemessen betreut werden. Und Trainings-Sitzungen, in denen wir die Therapie und die Theorie voranbringen. Der ganze Brennpunkt ist darauf gerichtet, das, was wir tun, zum Nutzen des Patienten zu verbessern.


Übersetzung: Ferdinand Wagner