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Dr. Arthur Janov:    Wie kann die Psychologie die Neurologie ignorieren?          

Mittwoch, 27. Januar 2016, How Can Psychology Ignore Neurology?, www.arthurjanov.com                                                       

 

                                                                                                          

Ich will nicht sagen, dass die Neurologie die Psychologie führen sollte, sondern dass die Hirnwissenschaft für die Therapie so viel zu bieten hat. Wir ignorieren neue neurologische Erkenntnisse auf eigene Gefahr. Denn was wir lernen, ist, dass frühes Trauma eine Spur auf dem Gen hinterlässt. Diese Spur ist eine Markierung, die uns sagt, dass drinnen ein großer Schmerz begraben liegt, der unser Verhalten umleitet und hinter so vielen ernsten Erkrankungen steckt. Die Spuren lassen sich beobachten. Und was viel wichtiger ist - sie und ein Großteil ihrer Auswirkungen sind umkehrbar. Stellen Sie sich das vor! Wir können die Prägung ungeschehen machen und die Geschichte umkehren und den Schmerz eliminieren. Wir müssen nicht mehr raten, und wenn also Psychologen die Hirnwissenschaft ignorieren, wissen sie nicht mehr, dass die Geschichte tief im Gehirn verbarrikardiert ist, noch wissen sie, auf welcher Gehirnebene, und sie sind sich auch nicht bewusst, wie ernsthaft die Prägung/Einprägung ist. Wie können wir frühes Trauma und seine Auswirkungen auf unsere Krankheiten weiterhin ignorieren, wenn alles neue Wissen sagt, dass es existiert?

 

Was also geschieht? Therapeuten bleiben auf der oberen zerebralen Ebene und gelangen nie zu der chaotischen Einprägung, die das Gehirn durch Methylierung verändert, den Schmerz verbreitet und sich auf einen Großteil unseres Selbst auswirkt. Sie rätseln am Blutdruck herum und an vielen anderen Leiden, wobei ihnen die Ursachen entgehen. Noch schlimmer ist, dass sie Psychose, schwere Neurose und Sucht ungeschehen machen wollen, ohne die Ursachen zu erkennen, die buchstäblich direkt unter ihren Nasen liegen.

 

Jetzt kommt der Punkt, wo wir Seelenklempner an der Reihe sind. Das neue Forschungspapier des Instituts für Molekularbiologie in Deutschland findet einen Weg, Methylierung möglicherweise rückgängig zu machen. Das heißt, sie haben entdeckt, dass die Proteine Neil 1 und Neil 2 eine Hauptrolle bei der Entmethylierung von Zellen spielen und sie wieder in normale Zellen umwandeln - eine große Entdeckung. Aber das ist eine neurologische Antwort,  und das Problem kann nicht allein durch Neurologie fixiert werden; sie behaupten, dass die zwei Proteine entscheidend sind für die Umkehrung der Methylierung; also könnte es die Antwort sein, nach der wir suchen. Aber, mal langsam, warum werden die Gene zuerst einmal methyliert? Welche Art Schmerz ist das  und wo kommt er her? Hier stürzt sich Primal ins Getümmel. Jetzt nach 50 Jahren unserer täglichen Arbeit an Hunderten von Patienten haben wir eine sehr gute Vorstellung, was der Schmerz ist und wie er sich im System festgesetzt hat. Wir glauben, dass wir entmethylieren, indem wir uns in das Trauma versenken und es genau so wiedererleben, wie es sich festgesetzt hat. Das bedeutet, dass wir wieder zu einem sechsjährigen Kind werden oder zum Fetus, der das Rauchen oder Trinken der Mutter wiedererlebt. Wir sehen es und wir sehen die Wirkung des Wiedererlebens: bedeutende Änderungen überall im System. Wir glauben, dass wir die neurotische Verlaufsbahn ändern, die später im Leben zu schwerer Krankheit geführt hätte.

 

Die Autoren behaupten, das könne Krebs einschließen: Wenn es zu einem Fehler kommt beim Setzen der Methylmarkierungen auf der DNA, kann das auf die Entwicklung von Abnormalitäten und vielleicht von Krebs hinauslaufen. Somit verlieren die Zellen ihrer Identität und fangen an, sich unkontrolliert zu teilen - das Profil von Krebs. Diese Forschung kommt von Tag zu Tag voran und wird uns helfen, schwere Prägungen/Einprägungen zu messen und zu behandeln. Und hier verlassen wir Seelenklempner die Neurologie. Denn in der Psychotherapie redet der Patient über sein Leben und steigt schließlich die Schmerzkette hinab zur tiefsten Einprägung. Wenn das geschieht, werden sich die durch Methylierung verursachten Verzerrungen normalisieren. Der Patient ist dem Weg zur Normalität. Wir wollen, dass unsere Theorien vom Menschen unanfechtbar sind; warum? Weil korrekte und genaue Theorie zu angemessener Therapie führt, und das bedeutet höchste Gesundheit und Langlebigkeit. Das ist unsere Mission.

 

 

Übersetzung: Ferdinand Wagner     

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