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WAS IST EINE UNGESTÖRTE GEBURT?

Störfaktoren, die den Geburtsprozess beeinträchtigen, können von innen und von außen kommen. Ein  Umfeld, das von Nervosität, Hektik, Ungeduld, heller Beleuchtung, Disziplin, Kontrolle, Hemmung des Ausdrucks und des Fühlens und von Geburtshelfern geprägt ist, die sich während der Geburt nicht zurücknehmen können und sich nach der Geburt eifrig am Neugeborenen zu schaffen machen, anstatt  einen ungestörten ersten Kontakt zwischen Mutter und Kind zu gewährleisten, ist laut Odent ein Szenario, das den physiologischen Bedürfnissen gebärender Frauen völlig zuwiderläuft und die Chancen auf eine geburtshormonell induzierte Bindung zwischen Mutter und Kind erheblich mindert. Hier haben wir es mit äußeren Störfaktoren zu tun.

Ein innerer Störfaktor, den Odent offensichtlich völlig ignoriert, ist Neurose. Wie bereits erwähnt, sind Menschen biologische Systeme, die frühe traumatische, für den jungen Organismus oft lebensbedrohliche Erfahrungen speichern. Das impliziert, dass die Kraft, die Valenz des ursprünglichen Traumas auch Jahrzehnte später noch immer vorhanden ist. Arthur Janov schreibt darüber seit Jahrzehnten. 

Bei der Geburt, einem Vorgang, der es erfordert, sich voll zu öffnen, sich ohne Hemmung und Abwehr auf ein körperliches Geschehen einzulassen, das auf einer tieferen, subkortikalen, instinktgesteuerten Bewusstseinsebene abläuft, kann diese  eingeprägte Trauma-Energie  mitsamt den physiologischen  Abwehrmechanismen, die ihrer Freisetzung entgegenwirken, zu einem bedeutsamen  Hindernis werden. Wie Janov des öfteren betont, funktioniert die Abwehr des Körpers  eher undifferenziert und global, sie unterscheidet nicht zwischen frühem Trauma  und gegenwärtiger Situation (Geburt) und so kann es sein, dass das Gehirn in der speziellen  Geburtssituation, in der der Neokortex die Kontrolle zu verlieren droht,  "Ausbruchsgefahr" (was die gespeicherte traumatische Energie betrifft) registriert und in seiner undifferenzierten Verteidigungsanstrengung  globale Abwehrmaßnahmen aufbaut, die auch gegen die Wehentätigkeit gerichtet sind

Wenn jetzt (1) ein allgemein ungünstiges Schwangerschafts-Szenario (z. B. Dauerkonflikte mit dem Partner, finanzielle Sorgen, keine Unterstützung durch eine geburtserfahrene Frau), (2) ein ungünstiges äußeres Geburts-Szenario, das auf Geburtsphysiologie keine Rücksicht nimmt, und (3) das innere Szenario der Neurose zusammentreffen, dann scheint die 'failure to progress'-Situation und in der Folge eine übermäßig schwierige, für Mutter und Kind traumatische Vaginalgeburt oder der Kaiserschnitt fast schon vorprogrammiert, und der neurotische Kreis schließt sich: Die Mutter "überträgt" bei der Geburt ihre Neurose auf das Kind, das heißt, sie bürdet dem jungen, verletzlichen Organismus des Kindes eine erhebliche Schmerzlast auf (falls das nicht bereits in der Schwangerschaft geschehen ist).

Ich glaube, wenn eine Frau zu neurotisch ist,  oder wenn die Lebensumstände für sie zu schwierig sind oder wenn sie gar kein Kind will, dann wird sie bei der Geburt kaum Liebeshormone freisetzen, schon gar nicht, wenn sie ihrem Kind bereits im Mutterleib "mitgeteilt" hat, dass es nicht willkommen ist. Menschen sind keine Automaten, die man bei der Geburt einfach "auf Liebe programmieren" kann. Aber es muss ja nicht immer funktionieren. Wichtig ist, dass es wirklich funktionieren Odent weiß es. Er hat es oft genug beobachtet. Diejenigen Mütter, die es am eigenen Leib erfahren haben, wissen es auch. Kein Zweifel: Es gibt diese geburtshormonell herbeigeführte Mutter-Kind-Bindung. Das ist bei Menschen genauso, wie es bei den Säugetieren ist.

 

 

 
     
 

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