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Dr. Arthur Janov:    Über Sprache als Betäubung                 

Montag, 3. Januar 2011, More on Language as Anesthesia, www.arthurjanov.com                                                         

                                                                                                          

  Wir haben herausgefunden, dass Schaltkreise von Gefühlszentren zum Kortex der obersten Ebene stärker und zahlreicher sind als Schaltkreise, die vom Neokortex nach unten führen. Die Folgerung lautet, dass Sprache und Gedanken Gefühle nicht so sehr ändern, dass aber Gefühle Gedanken erheblich verändern. Somit widerspricht die Prämisse für so viele Einsichtstherapien dem, wie das Gehirn tatsächlich funktioniert. Und erklärt, warum diejenigen, die sich einer Einsichtstherapie (mit all ihren Verästelungen) unterzogen haben, der Selbsttäuschung unterlegen sind, es gehe ihnen viel besser. Der Kernpunkt ist, dass das Gehirn eine Methode rausfindet, sich selbst zu täuschen. Zu viel eingeprägter Schmerz setzt das in Gang. Und so verlaufen Gedanken in Richtung der Gefühle. Wenn wir uns wie ein Verlierer fühlen, dann geben wir den Versuch auf, auf die höhere Schule zu gehen oder überhaupt zu studieren. Oder versuchen nicht, das Mädchen oden den Jungen unserer Träume zu kriegen. Schließlich: „Wer könnte schon an mir interessiert sein?“

 

Wir müssen überlegen: „Warum sollte das Gehirn in eine bestimmte Richtung wachsen; eine Richtung, die sich entwickelt, um Gefühle zu unterdrücken? Inwiefern ist das ein Überlebensmechanismus? Bedenke: Die Unterdrückung von Gefühlen unterstützt das Überleben. Es hat damit zu tun, eine Bedrohung abzuwehren, die Gefahr durch schrecklich schmerzhafte Gefühle, und dann müssen wir uns fragen, woher diese mächtigen Gefühle kommen und wie sie beschaffen sind.  Sie sind hauptsächlich Einprägungen von unserer Zeit im Mutterleib und von unserer Geburt und Erinnerungen, was wir tun mussten, um zu überleben. Diese Verhaltensweisen verfestigen sich und lenken unser Leben. Wenn ein Fetus zum Beispiel (bei einer Amniozentese) sondiert wird, zieht er sich zurück und zeigt Anzeichen des Rückzugs. Er verzieht das Gesicht, als habe er starke Schmerzen, was tatsächlich der Fall ist. Und seine Schmerz-Chemikalien, Stresshormone, steigen radikal an. Er lernt, was er bei Gefahr zu tun hat; Rückzug, sich selbst vom Ort der Handlung zu entfernen, ist eine Methode. Weil das Erlebnis lebensbedrohlich ist, erinnert sich das System daran als heuristische Szene (die Richtlinien festlegt für zukünftiges Verhalten). Kurz gesagt kommt es zur Flucht in den Kopf, in den Verstand; eine Flucht weg von Gefühlen und hin zu dem, das die Gefahr vermindert. Und was ist das? Gedanken und Glaubensvorstellungen. Es ist der letzte Schritt in der Evolution und ist unsere wertvollste Abwehr. Wir können rationalisieren und theoretisieren; wir können Schuld projizieren und geistig der Terror-Gefahr entkommen, die einem Großteil der Intellektualität zugrunde liegt.

 

Somit fliehen wir in einem eigenartigen Paradox in unsere Köpfe, um Gefühlen zu entkommen, und es ist diese Flucht, die gefährlich wird. Wir leben in unseren Köpfen oder nehmen Drogen zur weiteren Verdrängung, oder wir trinken, um die Absonderung unserer Gefühle zu unterstützen, aber die Gefühle gehen nie weg, was auch immer wir tun, und sie zermürben das System. Sie werden vom System als Aliens behandelt; als Feind, dem nicht erlaubt werden darf, dass er uns von innen angreift; deshalb nehmen wir Blocker-Medikamente, um zu verhindern, dass der Angriff von innen stattfindet. Die Medikamente verlangsamen oder verhindern das Aufsteigen der Nachricht auf die Ebene des vollen Bewusstseins. So können wir denken, es gehe uns gut, weil wir die schmerzvollen Gefühle aus dem Bewusstsein verbannt haben.

 

Sprache ist die letzte evolutionäre Waffe, die wir gegen uns selbst haben! Ist das nicht sonderbar? Wir entwickeln etwas, das unsere eigene Erfahrung bekämpfen kann. Und schieben es beiseite. Und das uns erlaubt vorzugeben, es habe nie existiert; und anstatt uns deswegen schlecht zu fühlen haben wir das Werzkeug, dafür zu sorgen, dass wir uns gut fühlen; ein Zustand der Selbsttäuschung, den wir alle gemeinsam nutzen können. Genau das ist universelle Verdrängung und Verleugnung. Wunderbar.

 

Nun, wie kommt es, dass wir ein denkendes Gehirn entwickelten, das Schmerz betäubt? Wenn wir darüber zu viel nachdenken, geraten wir in die Theologie. Ich bevorzuge Wissenschaft. Zuerst prägen wir Schmerz ins System ein; wir registrieren, verschlüsseln und speichern ihn für die Zukunft, und dann entwickeln wir ein System, um in von vollem Bewusstsein abzuhalten. Wir ersticken ihn mit Gedanken; und ihr dachtet, sie seien ein wundervoller neuer Zusatz menschlichen Seins. Das sind sie, und sie sind auch diese Schmerztöter-Apotheke, die ebenso wundervoll ist. Das System wusste, dass es unter einer schrecklichen Schmerzlast nicht weitermachen und Liebe finden und Gefahr vermeiden konnte. Also schob es den Schmerz beiseite, um stabil und funktional zu bleiben. Diejenigen, die Schmerz nicht beiseite legen konnten, sind die Leute, die nicht funktionieren. Und was sind diese schrecklichen Schmerzen? Nach meiner Definition Liebesmangel, fehlende Erfüllung von Grundbedürfnissen. So muss daraus folgen, dass wir Liebe mehr als irgendwas brauchen. Wir brauchen sie fürs Leben, fürs Überleben, für Gesundheit. Wir brauchen sie, um die physische und physiologische Grundstruktur aufrecht zu erhalten. Andernfalls wachsen wir nicht richtig, und unsere Organe entwickeln sich nicht richtig. Denkt daran: Wir stellen Chemikalien her, die das Erleben von Schmerz blockieren. Sie blockieren nicht den Schmerz; das ist eine andere Sache, obwohl Wissenschaftler jetzt nahe dran sind, die biochemischen Elemente zu entfernen, die in Schmerz eingebaut sind. Aber die meisten von uns werden sich damit abfinden, dass sie davon nichts wissen. Verdrängung ist die Urverleugnung. Sie verleugnet die Wirklichkeit, eine Wirklichkeit, die auf einer anderen Ebene der Gehirnfunktion exisitiert; auf einer anderen Bewusstseinsebene.

 

Schaut euch die Kultführer an; sie hypnotisieren uns mit ihren Erfüllungs-Versprechen, wenn nicht in dieser Welt dann in einer anderen ihrer Wahl. Und es ist in der Tat Hypnose; sie schnappen sich unser Bedürfnis und verdrehen es, so dass wir nicht mehr bewusst sind. Wir folgen blindlings. Wir gehorchen ohne zu fragen. Und das tun wir auch in der Psychotherapie. Sie schläfern unsere Kritikfähigkeit ein, so dass sie nutzlos wird, und dann rücken sie an, um uns zu kontrollieren und zu manipulieren.

 

Eines der Jahrhundert-Verbrechen – den Holocaust und andere Desaster nicht eingerechnet – ist die Psychotherapie der Verleugnung; denn genau das ist es, was nahezu jede vorhandene Therapie praktiziert. Sie macht Patienten verdrängter und deshalb kränker. Sie trägt dazu bei, die Wirklichkeit zu begraben – durch Medikamente, die dafür bestimmt sind, und durch Einsichten und Überzeugungen, welche die Wahrheit unserer Existenz aussperren. Ich meine, dass einfach ein wenig Neurologie uns sagen wird, dass das präfrontale Areal eine Hauptrolle bei der Blockierung von Gefühlen einnimmt. Wie um alles auf der Welt können wir es für Veränderung in den Dienst nehmen? Wir stülpen den Gehirnen unserer Patienten die Betäubungsmaske über, und wir nennen es Therapie. Machen wir diesem Verbrechen ein Ende!

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Übersetzung:  Ferdinand Wagner