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Dr. Arthur Janov:       Über das Ausagieren

 Mittwoch, 02.Februar 2011, On the Act Out,  www.arthurjanov.com                                                                                                                                                  

                                                                                                          

 

Vor einigen Jahren kam ein Mann namens Laurie Patihis zu uns und machte unsere Ausbildung mit. Er schloss sie nicht ab, brachte aber in der Folgezeit viel Energie für den Versuch auf, unsere Therapie und Theorie schlechtzumachen. Kurz gesagt wurden wir die Versager, wir sind die Versager, nicht er – anstatt dass er sein Gefühl „Ich bin ein Verlierer und Versager“ durchlebt hätte. Und er muss damit weitermachen und einen Großteil seines Lebens darauf vergeuden, weil dieses Feeling, ein Versager zu sein, ihm dicht auf den Fersen ist und sich an ihm hochschleicht. Warum würde er sonst Monate damit verbringen? Das ist Ausagieren in Reinform, Verleugnen und Weglaufen vor dem Gefühl, ein Verlierer zu sein, der in einer Ausbildung versagt hat, bei der wir überaus nachsichtig sind und allen so viel Zeit geben, wie sie benötigen. Und die Besessenheit all derer, die mit ihrem Ausagieren endlos weitermachen, bedeutet, dass das verleugnete Gefühl sie antreibt.

 

Das sollte uns über andere belehren, die ausagieren; mit Argumenten können wir sie nicht davon abbringen, weil die nicht der Grund ihres Ausagierens sind. Sie werden von ihrem Unbewussten getrieben, und Argumente sind viel zu schwach, um sie zu ändern. Das ist der Grund, warum kognitive Methoden bei diesem Problem keinen Fortschritt machen können. Dieser Mann scheiterte, weil er die Ausbildung mit der Behauptung begonnen hatte, dass er über diese Therapie bereits Bescheid wisse; er konnte nicht lernen, weil er nie zugeben konnte, dass er wirklich keine Ahnung hatte. Er war schon so darauf aus, klug zu sein, dass er sich dumm verhielt und schließlich versagte. Kein Argument wird ihn aufhalten, bis er fühlt; was er nicht tun wird, weil er nicht zugeben kann, dass er versagt hat, dass er letztlich doch nicht so klug war. Jeder Besessene wird von seinem Unbewussten gesteuert, und jedes Argument, das sie überreden soll, bleibt bedeutungslos. Das ist der Grund, warum die Sexualverbrecher, die zum Wut-Management oder zur Sexualerziehung gehen, nicht vorankommen. Um es zu wiederholen, sie werden nicht vom Intellekt gelenkt; der Verstand sitzt nicht auf dem Fahrersitz. Ihre verborgenen Gefühle aber. Wir können Gedanke um Gedanke, Beweis um Beweis ansammeln, und die Leute werden Gegenargumente anhäufen, um sich gegen ihre eigenen Gefühle zu schützen. Jetzt wissen wir, warum in diesen endlosen TV-Debatten niemand jemals sagt: „Sie haben Recht und ich habe mich geirrt.“ Jahr um Jahr machen sie mit denselben Vorstellungen weiter, und sie ändern sich nie. Glaubt also nicht, eure guten Argumente würden den ollen Laurie ändern. Das werden sie nicht. Er wird sich sofort an die Arbeit machen und mehr Leute finden, die uns nicht mögen, und nach noch mehr Unterstützung suchen, um uns schlechtzumachen, weil wir die Versager sein müssen, nicht er. Es ist keine falsche Überzeugung, an der er festhält; sein ganzes Leben steht auf dem Spiel; dass er nie so viel Erfolg hatte, wie er nach seinem Glauben hätte haben sollen.

 

Das ist auch eine Lektion über Dialektik, auf die ein Großteil meiner Therapie gründet; die gegenseitige Durchdringung von Gegenteilen; das heißt, wie Dinge sich in ihr Gegenteil verwandeln. Schlau zu agieren macht dich dumm, mutig agieren lässt dich weiterhin ängstlich sein, etc. Und in unserer Therapie macht uns ängstliches Agieren mutig, und wenn wir uns dumm fühlen, macht es uns klug. Uns tot zu fühlen lässt uns lebendig werden, weil wir endlich fühlen. Den Schmerz fühlen lässt ihn verschwinden; uns ungeliebt zu fühlen ermöglicht uns schließlich, dass wir geliebt werden und Liebe aufnehmen können. Ihr versteht den Gedanken; solange wir unseren Schmerz nicht fühlen, bleibt er und richtet Verwüstung in unserem System an. Wenn wir ihn fühlen, hört er auf, und wir leben länger, da bin ich mir sicher. Ein Grund ist, dass wir die Stresshormon-Spiegel reduzieren, und das kann längere Telomere bedeuten, die auf ein längeres Leben hindeuten. Mir scheint, dass alle nichtfühlenden Leute, auch Wissenschaftler, eine Gefühlstherapie schlechtmachen müssen, damit sie weiterhin mit ihrem Leben, ihrer Philosophie und ihrer Therapie zufrieden sind. Argumente werden nicht viel ausrichten, um sie zu ändern, Gefühle jedoch schon. Leider verunglimpfen sie Gefühle, zum Schaden für sich und ihre Menschlichkeit.

 

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